76. Jahresbericht 2005/06: Überblick

Kapitel I: Einleitung: Widerstandsfähigkeit gegenüber wachsenden Anspannungen

Trotz höherer Preise für Energie und andere Rohstoffe wuchs die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr erneut rasant. Außerdem blieb die Kerninflationsrate generell niedrig, obwohl sich die Verbraucherpreisinflation beschleunigte. Doch im weiteren Jahresverlauf begannen Befürchtungen bezüglich eines bevorstehenden Inflationsdrucks zuzunehmen. Gleichzeitig wuchsen die Bedenken über die sich verschärfenden Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, darunter nicht zuletzt die niedrige Ersparnis in den USA und die hohen Investitionen in China sowie die außergewöhnlich großen Leistungsbilanzungleichgewichte. Vor diesem Hintergrund wurde die Geldpolitik in einer Reihe von Industrieländern gestrafft. Die Finanzmärkte bewerteten die Zukunftsaussichten weiterhin zumeist sehr optimistisch, vor allem für die aufstrebenden Volkswirtschaften, wenngleich Mitte Mai 2006 sowohl die Unsicherheit als auch die Volatilität stiegen. Der US-Dollar, dessen längerfristiger Abwärtstrend 2005 angesichts der relativ hohen US-Leitzinsen unterbrochen worden war, begann ebenfalls deutlicher nachzugeben.

Kapitel II: Die Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft verzeichnete 2005 ein starkes Wachstum, während die Inflation gedämpft blieb. Damit wurden die optimistischen Prognosen von Anfang 2005 noch übertroffen, und dies ungeachtet der widrigen Umstände, die sich aus Veränderungen des makroökonomischen Umfelds ergaben. Erstens war nach wie vor kaum Inflationsdruck zu spüren, obwohl die Rohstoffpreise vor dem Hintergrund der im dritten Jahr in Folge kräftig expandierenden Weltwirtschaft weiter stiegen. Zweitens bewahrte die US-Wirtschaft trotz des Energiepreisanstiegs und gravierender Schäden infolge von Wirbelstürmen eine beträchtliche Dynamik. Drittens blieben die Finanzierungsbedingungen weltweit ausgesprochen wachstumsfördernd, obgleich die akkommodierende geldpolitische Ausrichtung in den USA und – in geringerem Maße – im Euro-Raum schrittweise zurückgeführt wurde. Viertens schließlich ließen sich die Finanzmärkte trotz der weiteren massiven und unerwarteten Verschlechterung der US-Leistungsbilanz während des Jahres nicht aus der Ruhe bringen.

Der Konsens der Prognosen für 2006 ist, dass das kräftige globale Wachstum anhält und die Inflation weltweit niedrig bleibt. Das sich aufhellende Geschäftsklima und eine geringe bzw. abnehmende Arbeitslosigkeit untermauern diese optimistische Einschätzung der kurzfristigen Wachstumsperspektiven. Allerdings bringt der gegenwärtige globale Aufschwung auch mehrere weniger positive Entwicklungen mit sich: Die öffentlichen Haushalte weisen erhebliche Defizite aus, die Sparquote der privaten Haushalte befindet sich in einigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften auf einem Niveau, das auf Dauer zu tief erscheint, die Investitionsquote der Unternehmen ist nach wie vor niedrig, und die weltweiten Leistungsbilanzungleichgewichte sind so groß wie nie zuvor. Gleichzeitig herrscht größere Unsicherheit über die Inflationsaussichten, da die ölpreise neue Rekordstände erreicht haben und sich die Produktionslücken in vielen Ländern verengen oder gar schließen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die globalen disinflationären Kräfte, die durch die Integration wichtiger aufstrebender Volkswirtschaften in die Weltwirtschaft entstanden sind, fortbestehen werden.

Kapitel III: Anstehende Themen in den aufstrebenden Volkswirtschaften

Die Wirtschaftsexpansion in den aufstrebenden Volkswirtschaften hat sich im Berichtszeitraum weiter gefestigt. In vielen Ländern war das lebhafte Wachstum von steigenden Exporten und großen Leistungsbilanzüberschüssen begleitet. Die Auslandsschulden sanken, die Währungsreserven wurden erneut aufgestockt, die Haushaltslage verbesserte sich, und die Bilanzen wurden gestärkt. Zum Teil als Reaktion darauf blieben Verbraucher- und Anlegervertrauen hoch, und das Wachstum erwies sich gegenüber den gestiegenen Ölpreisen als bemerkenswert widerstandsfähig, selbst in den ölimportierenden Ländern.

Die externen Rahmenbedingungen waren im Berichtszeitraum ungewöhnlich günstig: eine starke globale Nachfrage, beträchtliche Verbesserungen der Terms of Trade in vielen Ländern und eine wesentlich erleichterte Auslandsfinanzierung. Trotz dieser günstigen Bedingungen sind weitere Maßnahmen erforderlich. In manchen Ländern ist eine dauerhafte Verbesserung der Haushaltslage vonnöten. Außerdem kam es zwar zu einigen geldpolitischen Straffungen bzw. Währungsaufwertungen, insbesondere in Ländern mit Inflationsziel, doch die monetären Bedingungen in den aufstrebenden Volkswirtschaften blieben vergleichsweise locker, und in einer Reihe von Fällen wurde Inflationsdruck spürbar. In zahlreichen Ländern besteht eine der wichtigsten Herausforderungen für die Währungsbehörden darin, grundlegende Fehler, die die Wirtschafts- und Finanzstabilität gefährden könnten, zu vermeiden.

Kapitel IV: Geldpolitik in den fortgeschrittenen Industrieländern

Die Ausrichtung der Geldpolitik in den G3-Volkswirtschaften blieb grundsätzlich akkommodierend, im Berichtszeitraum kam es aber zu einigen Straffungen. Da sich zunehmend Preisdruck abzeichnete, straffte die Federal Reserve ihre Geldpolitik in jeweils aufeinanderfolgenden Zinsschritten weiter. Die EZB begann ihren Leitzins anzuheben, da die Inflation die Zielbandbreite überschritt und die Konjunktur an Fahrt gewann; darüber hinaus verstärkten die Geldmengen-, Kredit- und Vermögenspreisentwicklungen die Besorgnis über die längerfristige Preisstabilität. Bei nachlassendem Deflationsdruck gab die Bank of Japan das Ende der unkonventionellen quantitativen Lockerung bekannt, beließ ihren Leitzins jedoch zunächst unverändert bei null. Außerdem führte sie einen "Ansatz der zwei Perspektiven" ein, der zwischen kurz- und langfristigen Risiken für die Preisstabilität unterscheidet. Bei den kleineren Industrieländern mit Inflationsziel gab es größere Unterschiede in der Geldpolitik, wobei die meisten Zentralbanken ihren Kurs verschärften. Erneut wurde das geldpolitische Umfeld stark von außenwirtschaftlichen Entwicklungen geprägt. Hohe Preise für Öl und andere Rohstoffe schürten Bedenken über beunruhigende Zweitrundeneffekte für die Inflation, während Billigimporte von Konsumgütern zugleich die Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass die Kerninflation die Zielvorgaben unterschritt.

In einem gesonderten Abschnitt wird näher auf die Bedeutung der stärkeren globalen Integration ("Globalisierung") für die Durchführung der Geldpolitik eingegangen. Seit ungefähr einem Jahrzehnt unterstützt die Globalisierung die weltweite Rückführung der Inflation. Sie hat aber auch die Geldpolitik erschwert, indem sie das geldpolitische Umfeld in verschiedener Hinsicht verändert, die traditionellen Orientierungsgrößen der Geldpolitik beeinflusst und den Spielraum der geldpolitischen Entscheidungsträger eingeschränkt hat. Vor dem Hintergrund dieser Trends werden die Herausforderungen für die Geldpolitik erörtert.

Kapitel V: Devisenmärkte

Die Aufwertung des US-Dollars auf breiter Front, die Stabilität des Euro und der allgemeine Abwärtstrend des Yen waren über weite Teile des Jahres 2005 die wichtigsten Entwicklungen an den Devisenmärkten. Ab Dezember 2005 kehrte sich der Aufwärtstrend des US-Dollars jedoch um. Wie in früheren Jahren wurden die Wechselkursentwicklungen während des Berichtszeitraums von drei Hauptfaktoren bestimmt: den Zinsdifferenzen, dem Leistungsbilanzdefizit und den steigenden Nettoauslandsverbindlichkeiten der USA sowie dem anhaltenden Reservenaufbau in China, der die Abwertung des Dollars gegenüber dem Renminbi begrenzte. Im Gegensatz zu den Vorjahren wuchsen die Reserven in anderen aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens langsamer. Die änderung des chinesischen Wechselkursregimes im Juli 2005 erregte große Aufmerksamkeit, hatte aber bis Mitte Mai 2006 nur moderate Auswirkungen auf die Devisenmärkte.

In einem eigenen Abschnitt werden die Trends und Bestimmungsfaktoren des Nettovermögenseinkommens in den USA und anderen Industrieländern beleuchtet und mögliche Implikationen für die Tragbarkeit der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte erörtert. Die USA verzeichnen in der Regel ein positives Nettovermögenseinkommen, obwohl sich ihre Nettoauslandsvermögensposition verschlechtert. Das liegt zum einen daran, dass ein höherer Anteil ihrer Auslandsvermögenswerte hochrentierenden Anlagekategorien wie Direktinvestitionen zuzuordnen ist, und hängt zum anderen damit zusammen, dass ihre Direktinvestitionen im Ausland eine höhere Rendite abwerfen als ausländische Direktinvestitionen in den USA. Eine einfache Reagibilitätsanalyse belegt, dass unbedingt die Handelsbilanz verbessert werden muss, um die Tragbarkeit der Nettoauslandsvermögensposition zu sichern. Die außenwirtschaftliche Position kann außerdem durch signifikante, wenn auch einmalige Bewertungseffekte beeinflusst werden. Veränderungen der relativen Renditen wirken sich in erheblichem Maße auf das Nettoeinkommen aus, haben jedoch nur einen Effekt zweiter Ordnung auf das Nettoauslandsvermögen.

Kapitel VI: Finanzmärkte

Die Bedingungen an den wichtigsten Finanzmärkten blieben den größten Teil des vergangenen Jahres ruhig und akkommodierend, was die unerwartet dynamische Entwicklung der Weltwirtschaft und die immer noch reichlich vorhandene Liquidität widerspiegelte. Bis Ende 2005 waren die sich abflachenden Renditenstrukturkurven in den USA und im Euro-Raum offenbar auf niedrigere Laufzeitprämien – oder eine sich verringernde Diskrepanz zwischen den Terminsätzen und den erwarteten zukünftigen Kurzfristzinsen – zurückzuführen. Von Anfang 2006 an ließ die Aussicht auf eine weitere geldpolitische Straffung angesichts stärkeren Wachstums und höheren Inflationsdrucks die langfristigen Renditen ansteigen. Bei den Preisen anderer Vermögenswerte wurden die Auswirkungen dieser Entwicklung jedoch erst ab Mitte Mai sichtbar, als die Volatilität zunahm und die Aktienmärkte wie auch die Märkte aufstrebender Volkswirtschaften deutliche Kursverluste verzeichneten.

Sowohl die Aktienkurse als auch die Kreditrisikoprämien profitierten 2005 und Anfang 2006 von Aufwärtskorrekturen bei den Wachstumsaussichten. In den wichtigsten Industrieländern stützten auch Veränderungen in der Kapitalstruktur der Unternehmen die Aktienmärkte, denen insbesondere ein beeindruckender Anstieg bei Aktienrückkäufen sowie Fusionen und übernahmen zugrunde lagen. Die Aktienmärkte reagierten diesmal positiver auf die Fusions- und übernahmewelle als in der Vergangenheit, was den Aktionären sowohl der Zielunternehmen als auch der Käufer zugute kam. Die Kreditrisikoprämien blieben trotz der wieder höheren Fremdkapitalaufnahme der Unternehmen nahe ihren zyklischen Tiefständen. Die große Risikobereitschaft der Anleger trug dazu bei, die Risikoprämien niedrig zu halten. Dies kam besonders an den Märkten für Schuldtitel aufstrebender Volkswirtschaften zum Ausdruck, wo die Risikoprämien im Jahr 2005 und Anfang 2006 offenbar schneller zurückgingen, als die – allerdings erhebliche – Verbesserung der Fundamentaldaten hätte vermuten lassen.

Kapitel VII: Finanzsektor

Die Finanzinstitute in den fortgeschrittenen Industrieländern wiesen im Berichtszeitraum robuste Ergebnisse aus. Die Banken profitierten nach wie vor von den Kostensenkungen der vergangenen Jahre, einem anhaltend günstigen Kreditumfeld und einem lebhaften Retail-Geschäft, das trotz einer weiteren Verengung der Zinsmargen zu höheren Gewinnen beitrug. Die Bilanzen der Lebensversicherungsgesellschaften festigten sich, während die Gebäude- und Schadenversicherer ohne größere Probleme ein Jahr der Rekordansprüche verkrafteten. Das Geschäft von Private-Equity-Fonds boomte, während gleichzeitig umfangreiche Mittel und Kredite für fremdfinanzierte übernahmen aufgenommen wurden. Bei den Hedge-Fonds verlangsamte sich der Mittelzufluss, da ihre Ergebnisse stark zurückgingen.

Die wichtigsten Risiken, mit denen der Finanzsektor konfrontiert ist, sind gesamtwirtschaftlicher Natur. Sie hängen mit den potenziellen Auswirkungen höherer Zinssätze, einer Wende im Kreditzyklus und einem möglicherweise damit verbundenen Rückgang der Immobilienpreise und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zusammen. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen gewinnt ein systemorientiertes Risikomanagement an Bedeutung. Dabei ist es besonders wichtig, dass Risikoinformationen verfügbar gemacht werden und dass Rechnungslegungsstandards, Risikomanagementpraxis und Finanzaufsicht als Ganzes reibungslos zusammenwirken und miteinander vereinbar sind.

Kapitel VIII: Schlussbemerkungen: Risikobewältigung heute und morgen

Die plausibelste Prognose für das nächste Jahr ist, dass sich das kräftige, inflationsfreie Wachstum fortsetzt. Dennoch bestehen erhebliche Unsicherheiten und Risiken, nicht zuletzt der Inflationsdruck und ein möglicher Abbau der immer größer gewordenen wirtschaftlichen und finanziellen Ungleichgewichte. Die Folge könnten Turbulenzen an den Finanzmärkten, eine langwierige weltweite Wachstumsschwäche oder beides sein. Glücklicherweise gibt es Maßnahmen, mit denen diese Risiken deutlich gesenkt werden könnten. Die derzeitige Phase geldpolitischer Straffung erscheint auf jeden Fall gerechtfertigt, doch ist sorgfältig auf potenzielle Wechselwirkungen von höheren Zinssätzen und finanziellen Ungleichgewichten zu achten. Dies gilt umso mehr, da vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Veränderungen der relativen Preise ohnehin schwerer zu beurteilen ist, wie groß die Straffung tatsächlich sein muss. Die Last, die auf der Geldpolitik liegt, und die damit verbundenen Risiken könnten durch eine gleichzeitige Verschärfung der Fiskalpolitik verringert werden, insbesondere in Ländern mit hohen Leistungsbilanzdefiziten wie z.B. den USA. Eine solche Unterstützung würde auch das Risiko abrupter Wechselkursschwankungen mindern. ähnliche Wirkung hätten binnenwirtschaftliche Strukturreformen in verschiedenen Ländern, mit denen Anpassungen zwischen dem Sektor der handelbaren und dem Sektor der nicht handelbaren Güter erleichtert würden.

Für die Zukunft stellen sich für die Geldpolitik zwei grundsätzliche Fragen. Erstens: Wie sollte sie reagieren, falls derzeitige Risiken zu Problemen werden? Die Frage wird dahingehend beantwortet, dass gewisse Vorkehrungen von Nutzen wären, zumal sämtliche denkbaren geldpolitischen Reaktionen in einem solchen Fall sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen dürften. Würden beispielsweise die Zinssätze wieder gesenkt, so könnte dies die gesamtwirtschaftliche Nachfrage angesichts der hohen Verschuldung vielleicht beleben, hätte auf die Dauer aber auch negative angebotsseitige Auswirkungen. Zweitens: Wie könnten – auf längere Sicht – die geldpolitischen Handlungsrahmen so angepasst werden, dass sich die heutigen Probleme wirtschaftlicher und finanzieller Ungleichgewichte in Zukunft möglichst nicht wiederholen? Hier wird der Schluss gezogen, dass die Preisstabilität mit größerer Flexibilität und über einen längeren Prognosehorizont verfolgt werden sollte, als es gegenwärtig üblich ist, und dass Indikatoren für wachsende Ungleichgewichte bei der Durchführung der Geldpolitik größeres Gewicht beigemessen werden sollte.

Organisation, Führungsstruktur und Tätigkeit der Bank

Dieses Kapitel gibt einen überblick über den Beitrag der BIZ zur internationalen Zusammenarbeit mit dem Ziel der Förderung der Währungs- und Finanzstabilität. Es beschreibt den institutionellen Rahmen dieser Kooperation und hebt wichtige Aktivitäten des vergangenen Jahres hervor.

Im Juni 2005 wurde durch eine Statutenänderung, die bei einer außerordentlichen Generalversammlung der Aktionäre der Bank genehmigt wurde, die Führungsstruktur der BIZ gestärkt. Aufgrund der Empfehlungen einer Gruppe angesehener Rechtsexperten wurde das Amt des Präsidenten der Bank abgeschafft und der Aufgabenbereich des beratenden Ausschusses abgesteckt, der den Generaldirektor bei dessen Arbeit unterstützt. Für den Verwaltungsrat und mehrere operative Ausschüsse wurden Satzungen aufgestellt.

Anfang 2006 gab die BIZ ihre Absicht bekannt, die Beziehungen zu ihren strategischen Partnern in Asien zu vertiefen, nachdem sie ihre Mitgliedszentralbanken in der Region ausführlich zu diesem Vorhaben konsultiert hatte. Vorgesehen sind ein 3-jähriges Forschungsprogramm zu Währungs- und Finanzfragen im Asien-Pazifik-Raum, die Ausweitung der Arbeit des Instituts für Finanzstabilität (FSI) in der Region sowie eine Erweiterung der von der BIZ-Repräsentanz in der SVR Hongkong erbrachten Bankdienstleistungen.

Die alle zwei Monate stattfindenden Sitzungen der Präsidenten der BIZ-Mitgliedszentralbanken sind ein bedeutendes Element im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit. In der Weltwirtschaftssitzung werden die Entwicklungen im Wirtschafts- und Finanzbereich beobachtet und entsprechende Schwachstellen beurteilt, während in der Sitzung der G10-Zentralbankpräsidenten bzw. der Sitzung der Gouverneure wichtiger aufstrebender Volkswirtschaften aktuelle Themen diskutiert werden. Im Geschäftsjahr 2005/06 wurden überdies Sondersitzungen zu Themen von Interesse für Zentralbanken organisiert, zu denen auch ein breites Spektrum von hochrangigen Vertretern anderer Institutionen und des privaten Finanzsektors eingeladen wurden.

Im Berichtszeitraum wurde u.a. auch der thematische und geografische Erfassungsbereich der von der Bank erstellten Wirtschafts-, Währungs- und Finanzstatistiken erweitert. Im März 2006 lancierten die BIZ, der IWF, die OECD und die Weltbank gemeinsam den sogenannten Joint External Debt Hub (JEDH). Dieser liefert umfassende Statistiken über die Auslandsverschuldung, deren Daten aus nationalen Quellen wie auch von Gläubigern und Märkten erhoben werden. Ebenfalls Anfang 2006 verlegte das Irving Fisher Committee on Central Bank Statistics (IFC), ein weltweites Forum von Benutzern und Erstellern von Statistiken innerhalb von Zentralbanken, sein ständiges Sekretariat zur BIZ.

Im Mai 2005 wurde das Central Bank Governance Forum gegründet. Damit erhielten die langjährigen Aktivitäten zur Förderung solider Führungs- und überwachungsmechanismen der Zentralbanken als staatliche Entscheidungsgremien formellen Charakter. Das IFC und das Governance Forum schließen sich dem Kreis der bei der BIZ tätigen Gremien an, zu dem außerdem der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS), der Ausschuss für das weltweite Finanzsystem (CGFS), der Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Abrechnungs-systeme (CPSS) und der Märkteausschuss gehören. Selbstständige Organisationen, deren Sekretariat bei der BIZ angesiedelt ist, sind das Forum für Finanzstabilität (FSF), die inter-nationale Vereinigung der Versicherungsaufsichtsbehörden (IAIS) und die internationale Vereinigung der Einlagensicherungen (IADI).

Wichtige Veröffentlichungen der Ausschüsse im Berichtsjahr 2005/06 waren eine Aktualisierung der neuen Eigenkapitalregelung Basel II (BCBS, November 2005), allgemeine Empfehlungen zu Zahlungsverkehrssystemen (CPSS, Januar 2006) und eine Analyse der Wohneigentumsfinanzierung am globalen Finanzmarkt (CGFS, Januar 2006). Das 75-jährige Bestehen der Bank im Jahr 2005 bot weitere Gelegenheiten, über die Rolle der BIZ in Vergangenheit und Gegenwart bei der Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Finanzbereich zu informieren. Im Januar 2006 lancierte die BIZ ihre umgestaltete Website. Sie bietet eine erweiterte Plattform für Forschungsarbeiten der teilnehmenden Zentralbanken.

Die Bank diente nach wie vor Zentralbanken als erste Adresse bei deren Finanzgeschäften. Darüber hinaus fungierte sie in einer Vielzahl internationaler Finanztransaktionen als Agent und Treuhänder. Die beiden Asian Bond Funds (ABF1 und ABF2), die auf Initiative der EMEAP-Mitgliedszentralbanken und -Währungsbehörden eingerichtet worden waren, werden von der BIZ im Rahmen einer offenen Dachfondsstruktur betreut.

Die Bilanz weitete sich erneut aus; die Bilanzsumme betrug am 31. März 2006 SZR 220,1 Mrd., was einem Zuwachs von 22% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Reingewinn für das 76. Geschäftsjahr der Bank belief sich auf SZR 599,2 Mio., verglichen mit SZR 370,9 Mio. im Vorjahr.