Nach dem Einbruch an den Märkten folgt die Erholung, so die Analyse des aktuellen BIZ-Quartalsberichts

Pressemitteilung  | 
5. März 2019

Sich verändernde gesamtwirtschaftliche Aussichten in den wichtigsten Volkswirtschaften und ihr Einfluss auf die Geldpolitik bestimmten das Marktgeschehen Ende 2018 und in den ersten Monaten 2019.

Marktkommentaren zufolge ließen Bedenken, die Geldpolitik würde trotz des schwächeren Wirtschaftsausblicks restriktiv bleiben, die US-Aktienkurse im Dezember einbrechen. Zudem zweifelten die Anleger zunehmend am künftigen Gewinnwachstum der Unternehmen. Im neuen Jahr festigten sich die Finanzmärkte wieder, nachdem die Zentralbanken ihre Entschlossenheit bekräftigt hatten, den weltwirtschaftlichen Risiken mit geldpolitischen Maßnahmen zu begegnen.

"Die Entwicklungen der letzten zwei Monate vermitteln eine einfache Botschaft", so Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ. "Die sehr graduelle und vorhersehbare Straffung der Geldpolitik ist zum Stillstand gekommen und weniger vorhersehbar, denn die Inflation in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist kaum angestiegen, der Wirtschaftsausblick ist unsicherer geworden und an den Finanzmärkten herrscht besonders große Nervosität. Der schmale Grat der geldpolitischen Normalisierung erweist sich damit als kurvenreich."

Der BIZ-Quartalsbericht vom März 2019 befasst sich darüber hinaus:

  • Mit der Bedeutung ausländischer Bankkredite für aufstrebende Volkswirtschaften. Der Anteil der von ausländischen Banken bereitgestellten Kredite ist in diesen Ländern seit der Großen Finanzkrise gesunken. Grund dafür ist die zunehmende Kreditvergabe durch inländische Banken und Nichtbanken. Auf ausländische Banken entfallen aber immer noch durchschnittlich 15-20% der Gesamtkreditvergabe. Die Konzentration ausländischer Gläubigerbankensysteme ist seit der Krise von einem bereits hohen Niveau aus weiter angestiegen.
  • Mit Stressphasen aufgrund des Jahreswechsels. Offenbar versuchten die Marktteilnehmer, sich der Volatilität zu entziehen, indem sie mit Blick auf das Jahresende 2018 frühzeitig Maßnahmen ergriffen. Allerdings kam es an unerwarteten Stellen zu Stress, der teilweise die Folge von Anreizen im Zusammenhang mit dem Berichtstermin zum Jahresende war.
  • Mit der Analyse von Anlagemandaten und dem Risiko von Notverkäufen bei Anleihen mit BBB-Rating in den Portfolios von Investmentfonds. Verkaufswellen wären möglich, wenn es am Höhepunkt einer Rezession innert kurzer Zeit zu gehäuften Herabstufungen von Emittenten auf Junk-Status käme. Investmentfonds und andere Anleger, die nur im Investment-Grade-Bereich investieren dürfen, wären gezwungen, solche Anleihen rasch abzustoßen.

Vier Feature-Artikel befassen sich mit Entwicklungen in der Weltwirtschaft und an den Märkten:

  • Andreas Schrimpf und Vladyslav Sushko (BIZ)* geben einen Überblick über die risikofreien Zinssätze, die das Rückgrat des neuen Referenzsatzsystems bilden werden, und vergleichen einige ihrer wesentlichen Merkmale mit den Interbank Offered Rates (IBOR). Es mag weder praktikabel noch wünschenswert sein, in jeder Währung einen Referenzsatz zu finden, der sämtliche Zwecke erfüllt. Letztlich werden womöglich mehrere Arten von Referenzsätzen koexistieren.

"Ein mit Schraubenzieher und Säge ausgestatteter Werkzeugkasten würde dem Finanzsystem womöglich bessere Dienste erweisen als ein Schweizer Taschenmesser", meint Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater und Leiter Wirtschaftsforschung bei der BIZ.

  • In einem Artikel von Frederic Boissay, Carlos Cantú, Stijn Claessens und Alan Villegas (BIZ)* wird FRAME vorgestellt, eine öffentliche und interaktive Online-Datenbank für Untersuchungen zu den Auswirkungen von Finanzmarktregulierungen. Die Datenbank zeigt, dass die Schätzwerte für diese Auswirkungen stark variieren, insbesondere was die Wirkung von Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften auf das Kreditwachstum betrifft. Unter dem Strich jedoch führen mehr Eigenkapital und höhere Liquidität tendenziell zu einer höheren Kreditvergabe.
  • Stefan Avdjiev und Hyun Song Shin (BIZ)* sowie Mary Everett (Central Bank of Ireland) untersuchen den Einfluss des erweiterten Programms der EZB zum Ankauf von Vermögenswerten auf die globalen Anleihe- und Einlageströme. Sie kommen zum Schluss, dass Nichtbankfinanzinstitute die wichtigsten Verkäufer von Staatsanleihen des Euro-Raums im Rahmen dieses Programms waren, und zeigen, wohin die Einnahmen aus diesen Verkäufen geflossen sind.
  • Richhild Moessner und Phurichai Rungcharoenkitkul (BIZ)* analysieren den Einfluss von Nullzinsgrenze und Forward Guidance auf die Art und Weise, wie die Märkte auf neue Wirtschaftsdaten reagieren. Sie stellen fest, dass sowohl Forward Guidance als auch die Einschränkung der Geldpolitik durch die Nullzinsgrenze seit der Krise die Reagibilität von kurzfristigen Zinssätzen auf Wirtschaftsmeldungen in unterschiedlichem Maße abgeschwächt haben.
 

* Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung der Autoren wieder, die sich nicht unbedingt mit dem Standpunkt der BIZ deckt.


Wenn Sie benachrichtigt werden möchten, sobald deutsche Übersetzungen online verfügbar sind, abonnieren Sie bitte die E-Mail-Alerts auf der BIZ-Website: www.bis.org/emailalerts.htm