BIZ-Quartalsbericht, September 2017

BIS Quarterly Review  | 
17. September 2017

Laut BIZ-Quartalsbericht vom September 2017 beleben verbesserte Aussichten und niedrige Inflation die Risikoübernahme.

On-the-Record-Kommentare von Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, und Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater & Leiter Wirtschaftsforschung, anlässlich der Medienorientierung am 15. September 2017.

Internationales Bankgeschäft und internationale Finanzmärkte

Die Geldpolitik stand an den weltweiten Finanzmärkten plötzlich wieder im Fokus. Ende Juni deuteten die Marktteilnehmer die Reden des EZB-Präsidenten und des Gouverneurs der Bank of England als mögliche Anzeichen dafür, dass neben den USA auch in den anderen wichtigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften eine Straffung der Geldpolitik auf breiter Front beginne. Die Renditen langfristiger Staatsanleihen schnellten in die Höhe. Sie gaben aber schon bald wegen schwacher Inflationsdaten und Verlautbarungen der Zentralbanken, die von den Anlegern als eher zurückhaltend wahrgenommen wurden, wieder etwas nach. Außerdem rechneten die Märkte aufgrund der ... More...
Im ersten Quartal 2017 nahmen die internationalen Bankforderungen weiter zu, wobei der Forderungsanstieg an Nichtbanken mit 2,8% im Vorjahresvergleich am stärksten war. Die Jahreswachstumsrate der Inter­bankforderungen war erstmals seit dem ersten Quartal 2015 wieder positiv. Der Bestand an internationalen Schuldtiteln wuchs im zweiten Quartal 2017 mit einer Jahresrate von 4,1%, was hauptsächlich auf einem Anstieg des Netto­absatzes von Nichtbanken beruhte. Das Wachstum der in Euro denominierten Kreditvergabe an den Nicht­finanz­sektor außerhalb des Euro-Raums beschleunigte sich, insbe­sondere bei der ... More...

Statistische Initiativen

In enger Zusammenarbeit mit Zentralbanken, anderen nationalen Behörden und internationalen Organisationen verbessert die BIZ regelmäßig ihr Angebot an Sta­tistiken, mit dem sie Währungs- und Finanzstabilitätsanalysen unterstützt. Fremdwährungsengagements von Ländern sind eine mögliche Quelle von Schwachstellen, die in den vergangenen Jahren zunehmend Beachtung gefunden hat. Dem diesbezüglich bestehenden Datenmangel wird im Rahmen der zweiten Phase der von den G20-Ländern unterstützten internationalen Initiative zur Behebung von Datenlücken (Data Gaps Initiative, DGI) entgegengewirkt (BIS-FSB-IWF 2015, FSB-IWF 2017). Beginnend mit dieser Ausgabe des Quartalsberichts erweitert die BIZ die von ihr veröffentlichten Daten zu den Wechselkursen, zur Währungszusammensetzung von grenzüberschreitenden Positionen und zur ... More...

Features

Devisenswaps und -termingeschäfte: eine in der globalen Schuldenstatistik nicht berücksichtige Größe?
Wie würden sich die Bilanzen präsentieren, wenn die Mittelaufnahme durch Devisenswaps und -termingeschäfte ebenfalls bilanzwirksam verbucht würden wie die funktionell vergleichbaren Pensionsgeschäfte? In diesem Feature werden verschiedene Datenquellen kombiniert, um den Umfang, die Verteilung und die Verwendung dieser nicht berücksichtigten Schulden zu schätzen und erste Schlussfolgerungen für die Finanzstabilität zu ziehen. Ein wesentliches Ergebnis der Analyse ist, dass Nichtbanken außerhalb der USA mithilfe dieser Instrumente große Dollarbeträge aufgenommen haben, die nicht in ihrer Bilanz erscheinen. Insgesamt entsprechen sie in etwa den bilanzwirksamen Dollarschulden in Höhe von $ 10,7 Bio. bzw. übersteigen sie eher noch. Selbst wenn diese Schuldinstrumente zur Absicherung von Fremdwährungsrisiken eingesetzt werden, können damit beträchtliche Laufzeitinkongruenzen verbunden sein. More in English...
Fast täglich tauchen neue Kryptowährungen auf, und es wird immer wieder diskutiert, ob die Zentralbanken nicht eigene Versionen ausgeben sollten. Doch wie könnten Kryptowährungen von Zentralbanken aussehen, und welchen Nutzen hätten sie? In diesem Feature-Artikel wird eine Klassifizierung von Geld vorgestellt, die zwischen zwei Arten von Kryptowährungen - für Privat- und für Großkunden - unterscheidet und sie gegenüber ... More...
Wie wirken sich makroprudenzielle Maßnahmen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung aus?
Makroprudenzielle Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass Finanzkrisen weniger wahrscheinlich sind oder weniger gravierend ausfallen. Gleichzeitig könnten sie aber auch das Produktionswachstum bremsen, indem sie das Kreditangebot und die Investitionen behindern. Anhand von Daten aus 64 fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften werden in diesem Feature die Auswirkungen von makroprudenziellen Maßnahmen auf die langfristige gesamtwirtschaftliche Entwicklung empirisch untersucht. Es zeigt sich, dass Länder, die häufiger makroprudenzielle Instrumente einsetzen, unter sonst gleichen Rahmenbedingungen ein stärkeres und stabileres BIP-Wachstum verzeichnen. Dabei werden die Auswirkungen durch die Offenheit und den finanziellen Entwicklungsstand der jeweiligen Volkswirtschaft beeinflusst. Es zeigt sich aber auch, dass nicht planmäßig durchgeführte makroprudenzielle Interventionen tendenziell wachstumshemmend wirken. More in English...
Finanzierung durch "grüne Anleihen" und Zertifizierung
Die Finanzierung von Investitionen mittels sog. Green Bonds hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Doch wann eine Anleihe "grün" ist, wird unterschiedlich definiert. Es haben sich diverse Zertifizierungsmechanismen herausgebildet, die eine höhere Granularität und eine einheitliche Bewertung ermöglichen sollten. Im Durchschnitt weisen "grüne Anleihen" zum Emissionszeitpunkt einen Aufschlag gegenüber konventionellen Anleihen auf. Ihre Perfomance am Sekundärmarkt jedoch ist im Zeitverlauf mit der Performance konventioneller Anleihen vergleichbar. Ein relativ hoher Anteil von "grünen Anleihen" wird in Branchen ausgegeben, die umweltbedingte Kreditrisiken aufweisen. Einheitlichere internationale Standards für "grüne Anleihen" könnten die Entwicklung dieses Marktes weiter beleben. More in English...