BIZ-Quartalsbericht, September 2018

Märkte divergieren stärker

BIS Quarterly Review  | 
23. September 2018

On-the-Record-Kommentare von Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, und Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater & Leiter Wirtschaftsforschung, anlässlich der Medienorientierung am 21. September 2018.

Internationales Bankgeschäft und internationale Finanzmärkte

Mit Beginn des zweiten Halbjahrs 2018 schlug die Stimmung an den Finanzmärkten um. Eine erneute Hausse des US-Dollars und zunehmend angespannte Handelsbeziehungen führten zu einer uneinheitlichen Straffung der globalen Finanzierungsbedingungen. Die fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen des vergangenen Jahres sorgten für eine Belebung der Konjunktur in den USA. Vor diesem Hintergrund setzte die Federal Reserve ihren graduellen und vorhersehbaren Ausstieg aus der akkommodierenden Geldpolitik fort. Trotzdem lockerten sich die Finanzierungsbedingungen in den USA eher noch weiter. ...

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Die internationale (grenzüberschreitende und in Fremdwährung denominierte) Kreditvergabe, ein wichtiger Indikator für die globale Liquidität, hat sich in den letzten Jahren weiter ausgeweitet und beträgt jetzt 38% des globalen BIP. Das Wachstum ist auf den Absatz internationaler Schuldtitel zurückzuführen, während die Bedeutung der Banken abgenommen hat - sowohl als Kreditgeber als auch als Anleger in Schuldtiteln. ...

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Features

Die Kreditvergabe durch Fintech-Unternehmen hat in den letzten Jahren überall auf der Welt rasant zugenommen, allerdings in einer von Land zu Land sehr unterschiedlichen Größenordnung. Die Gründe dafür sind der jeweilige Entwicklungsstand der Wirtschaft und die Finanzmarktstruktur: je höher das Volkseinkommen und je schwächer der Wettbewerb innerhalb des Bankensystems, desto umfangreicher die Aktivitäten von Fintechs im Kreditgeschäft. Zudem ist die Kreditvergabe von Fintechs dort höher, wo die Bankenregulierung weniger streng ist. Fintech-Kredite sind eine alternative Finanzierungsquelle für Unternehmen und Konsumenten und können unterversorgten Kundensegmenten besseren Zugang zu Finanzmitteln verschaffen. Sie können zudem die Effizienz der Finanzintermediation erhöhen. Allerdings haben diverse Insolvenzen und Fälle von unseriösem Geschäftsgebaren gezeigt, dass die Kreditvergabe durch Fintechs auch einige Herausforderungen für Regulierungsinstanzen mit sich bringt. Dabei geht es hauptsächlich um die Sicherstellung eines angemessenen Konsumenten- und Anlegerschutzes. Mit Blick auf die Finanzstabilität dürften sich sowohl Herausforderungen als auch Vorteile ergeben, wenn die Kreditvergabe durch Fintechs weiter zunimmt oder wenn Banken bei der Bereitstellung von Krediten vermehrt vergleichbare technologische Innovationen einsetzen.

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Die Annahme, dass Kryptowährungen nicht in den Geltungsbereich nationaler Vorschriften fallen, ist weit verbreitet. Doch in Wirklichkeit reagieren ihre Bewertungen, ihre Transaktionsvolumina und ihre Nutzerbasis erheblich auf Meldungen zu regulatorischen Maßnahmen. Wie stark die Reaktionen ausfallen, hängt von der jeweiligen Regulierungskategorie ab, auf die sich die Meldung bezieht: Den größten negativen Effekt haben Meldungen, bei denen es um ein allgemeines Verbot von Kryptowährungen oder deren mögliche Unterstellung unter das Wertpapierrecht geht. Danach folgen Meldungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie zu Beschränkungen der Interoperabilität von Kryptowährungen mit regulierten Märkten. 

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Zunehmende Verbreitung von Zombiefirmen: Ursachen und Folgen

Die steigende Zahl sog. Zombiefirmen - Unternehmen, deren laufende Gewinne über einen längeren Zeitraum nicht ausreichen, um die Schuldendienstkosten zu decken - zieht immer mehr Aufmerksamkeit von Ökonomen und Politikern auf sich. Gestützt auf Daten von börsennotierten Unternehmen in 14 fortgeschrittenen Volkswirtschaften, wird die zunehmende Verbreitung von Zombiefirmen seit Ende der 1980er Jahre dokumentiert. Die Analyse zeigt, dass diese Zunahme mit geringerem finanziellem Druck in Zusammenhang steht, der wiederum zum Teil eine Folge der niedrigeren Zinssätze sein dürfte. Es zeigt sich überdies, dass Zombiefirmen die Entwicklung der Wirtschaft beeinträchtigen, da sie einerseits weniger produktiv sind und andererseits dazu führen, dass weniger Investitionen in produktivere Unternehmen fließen und diese weniger Arbeitsplätze schaffen können.

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Laufzeitprämien: Modelle und stilisierte Fakten

Untersucht werden Methoden und Modelle zur Schätzung der Laufzeitprämien bei lang laufenden Staatsanleihen. Diese Modelle werden anschließend zur Schätzung der Laufzeitprämien von Staatsanleihen der USA und des Euro-Raums verwendet, und es wird analysiert, wie sich diese Laufzeitprämien in jüngster Zeit entwickelt haben. Obwohl die jeweiligen Modelle unterschiedlich hohe Laufzeitprämien ergeben, stimmen die Ergebnisse in Bezug auf den Trend und die Dynamik weitgehend überein. Während niedrige (und zuweilen negative) Laufzeitprämien dazu beigetragen haben, die Renditen ungewöhnlich tief zu halten, spiegelt die jüngste Renditenentwicklung tendenziell eher geänderte Erwartungen hinsichtlich der kurzfristigen Zinssätze als veränderte Laufzeitprämien wider. Es zeigt sich, dass die ähnliche Entwicklung der Renditen in den USA und im Euro-Raum hauptsächlich auf die ähnliche Entwicklung der realen Laufzeitprämien (und nicht der Inflationsrisikoprämien oder Zinserwartungen) zurückzuführen ist.

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