BIZ-Quartalsbericht, Dezember 2016

11. Dezember 2016

BIZ-Quartalsbericht vom Dezember 2016: Paradigmenwechsel an den Märkten?

On-the-Record-Kommentare von Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, und Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater & Leiter Wirtschaftsforschung, anlässlich der Medienorientierung am 9. Dezember 2016.

Internationales Bankgeschäft und internationale Finanzmärkte

Paradigmenwechsel an den Märkten?
Die globalen Anleiherenditen stiegen in den letzten Monaten weiterhin deutlich. Nachdem die Renditen an den wichtigsten Festzinsmärkten in diesem Sommer neue Rekordtiefstände erreicht hatten, schnellten sie bis Ende November im Allgemeinen in die Höhe, und zwar ähnlich stark wie während des Tapering-Schocks von Mai bis September 2013. Trotz des rekordhohen Durationsrisikos gab es an den Kreditmärkten jedoch nur geringe Anzeichen für Anspannungen, denn die Renditenaufschläge blieben eng, und die Volatilität hielt sich in Grenzen. Der Anstieg der Renditen wurde zunächst durch die weltweit positiven gesamt-wirtschaftlichen Daten unterstützt und beschleunigte sich dann nach ... More...
Wichtigste Erkenntnisse zum weltweiten Finanzgeschäft
Die internationale Kreditvergabe stagnierte im zweiten Quartal 2016. Weltweit stiegen zwar die grenzüberschreitenden Forderungen von Ende März bis Ende Juni 2016 um $ 489 Mrd., doch trug das konzerninterne Geschäft am meisten zu diesem Anstieg bei. Auf konsolidierter Basis, d.h. ohne konzerninterne Positionen, blieben die internationalen Forderungen der Banken praktisch unverändert. Entgegen dem allgemeinen Trend wuchsen die Forderungen an aufstrebende Volkswirtschaften im zweiten Quartal 2016 um $ 124 Mrd., nachdem sie zuvor drei Quartale in Folge rückläufig gewesen waren. Am stärksten erhöhten sich die Forderungen an China, und zwar um $ 61 Mrd. Die grenzüberschreitende Kreditvergabe an ... More...

Features

Weniger Umsatz an den Devisenmärkten: Ursachen und Folgen
Erstmals seit 15 Jahren hat sich das Handelsvolumen an den Devisenmärkten in den drei Jahren, die zwischen zwei Zentralbankerhebungen über das Geschäft an den Devisen- und Derivatmärkten liegen, verringert. Der Handelsrückgang bei Hedge-Fonds und "fast money"-Händlern sowie eine geringere Risikoneigung haben zu dem Einbruch im Kassageschäft beigetragen. Dies wurde zum Teil durch den lebhafteren Handel mit Devisenderivaten, hauptsächlich Absicherungsgeschäften, kompensiert. Viele Dealer-Banken an den Devisenmärkten sind ... More...
Der sich wandelnde Markt für Zinsderivate
Auf der Basis der Zentralbankerhebung der BIZ über das Geschäft an den Devisen- und Derivatmärkten von 2016 werden die jüngsten Entwicklungen am Markt für außerbörsliche Zinsderivate analysiert. Seit 2013 hat sich der Umsatz von Zinsderivaten sowohl am außerbörslichen Markt als auch an den Derivatbörsen insgesamt leicht erhöht. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von US-Dollar-Instrumenten hat sich fast verdoppelt, wofür in erster Linie kurzfristige Zinskontrakte verantwortlich waren. Demgegenüber hat sich das Handelsvolumen von Euro-Instrumenten halbiert. Bei diesen Entwicklungen hat offenbar die Geldpolitik eine wichtige Rolle gespielt. Ungeachtet der Straffung der US-Geldpolitik ist der Handel mit langfristigen US-Dollar-Kontrakten verhalten geblieben - vermutlich aufgrund einer geringeren Nachfrage nach Absicherungen vonseiten staatsnaher Unternehmen. Regulierungsreformen beeinflussen auch weiterhin die Marktstruktur. Bislang haben die außerbörslichen Derivatmärkte keine Marktanteile an die Börsen verloren. Regulatorische Änderungen sorgen vielmehr dafür, dass die außerbörslichen Märkte den Börsen ähnlicher werden. More in English...
Gibt es einen Markt für Derivate in Währungen aufstrebender Volkswirtschaften?
Nur gerade 10% des weltweiten Derivatumsatzes entfallen auf Kontrakte in Währungen aufstrebender Volkswirtschaften. Dies ist weit weniger als der Anteil dieser Länder am globalen BIP oder am Welthandel. Derivate in Währungen aufstrebender Volkswirtschaften sind tendenziell auch weniger komplex und werden eher außerhalb des Landes, das die Denominationswährung ausgibt, gehandelt als Derivate in Währungen fortgeschrittener Volkswirtschaften. Unterschiede bleiben sogar dann bestehen, wenn wichtige Bestimmungsfaktoren für den Derivathandel ausgeklammert werden, so z.B. die Größe des Anleihemarktes, der Liberalisierungsgrad des Kapitalverkehrs sowie der Umfang des Außenhandels und der Auslandsverbindlichkeiten. Stattdessen scheint das Gefälle beim Pro-Kopf-Einkommen für die geringe Größe des Marktes für Derivate in Währungen aufstrebender Volkswirtschaften verantwortlich zu sein. Wenn Gebietsansässige eines Landes hohe Bestände an Auslandsanlagen halten, ist dies mit niedrigeren Umsätzen verbunden, womöglich weil diese Anlagen als Absicherung gegenüber Länderrisiken dienen. More in English...
Die Folgen der Internationalisierung von Währungen und der Reformen im Derivatgeschäft für die NDF-Märkte
Der Anstieg des weltweiten Umsatzes an den Märkten für Non-deliverable Forwards (NDF, Terminkontrakte ohne Lieferung) setzt sich insgesamt betrachtet weiter fort. Allerdings verläuft die Entwicklung je nach Währung unterschiedlich: Die Internationalisierung des Renminbi hat zu einer raschen Ablösung entsprechender NDF durch Terminkontrakte mit Lieferung geführt, während die NDF-Märkte in anderen Währungen aufstrebender Volkswirtschaften konstant geblieben sind oder sogar an Bedeutung gewonnen haben. Regulierungsreformen, die auf die Verminderung des Systemrisikos an den Derivatmärkten abzielen, verändern die Mikrostruktur der NDF-Märkte. More in English...
Stellt der Finanzkanal der Wechselkurse ein Gegengewicht zum Handelskanal dar?
Während sich beim Handelskanal zeigt, dass eine Währungsabwertung die inländische Wirtschaft ankurbelt, kann der Finanzkanal die gegenteilige Wirkung haben. Wenn Banken und Nichtbanken Verbindlichkeiten in Fremdwährung halten, zieht eine Währungsabwertung Wechselkurseffekte nach sich, die zu einer Verschärfung der inländischen Finanzierungsbedingungen führen können. Anhand handelsgewichteter Wechselkurse und neuer, von der BIZ konstruierter schuldengewichteter Wechselkurse werden diese Einflüsse gegeneinander abgegrenzt. Es zeigt sich, dass die Wirkung des Handelskanals in den aufstrebenden Volkswirtschaften teilweise durch den Finanzkanal aufgehoben wird. Dieser Effekt ist in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften weniger ausgeprägt. More in English...