BIZ-Quartalsbericht Dezember 2016: Vertiefte Einblicke in die Devisen- und Derivatmärkte

11. Dezember 2016

Pressemitteilung

Der Handel an den weltweiten Märkten für Devisen und außerbörsliche Derivate wächst stetig. Doch wieso boomen einige Segmente, während andere schrumpfen?

Im BIZ-Quartalsbericht vom Dezember 2016 werden Daten von rund 1 300 Banken und anderen Händlern aus 52 Ländern untersucht, die zu Beginn dieses Jahres im Rahmen der Zentralbankerhebung der BIZ über das Geschäft an den Devisenmärkten und den Märkten für außerbörsliche Derivate erhoben wurden. Die alle 3 Jahre stattfindende Erhebung der BIZ liefert die umfassendste Momentaufnahme der Größe und Struktur dieser Märkte.

Dabei sind laut Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater und Leiter Wirtschaftsforschung, drei wichtige Entwicklungen zu erkennen: Veränderungen bei der Funktion und Zusammensetzung der Akteure an den Devisen- und Derivatmärkten, die sich wandelnde Bedeutung von Währungen aufstrebender Volkswirtschaften und der Einfluss der Geldpolitik auf Marktentwicklungen. Diese Entwicklungen können sich ihrerseits auf die Realwirtschaft auswirken. "Was an den Finanzmärkten geschieht, bleibt nicht immer auf die Finanzmärkte begrenzt", sagt Hyun Song Shin.

Weitere Schwerpunkte des BIZ-Quartalsberichts vom Dezember 2016:

  • Der Anstieg der globalen Anleiherenditen in den letzten Monaten führte zu keinen nennenswerten Störungen an den Finanzmärkten. Die Aktienmärkte boomten, und die Renditen stiegen weiter, da die Märkte nach der Präsidentschaftswahl in den USA eine größere Wahrscheinlichkeit für eine expansive Fiskalpolitik einpreisten. Allerdings gerieten Vermögenswerte aufstrebender Volkswirtschaften unter Druck.

    "Die Entwicklungen in diesem Quartal sind aus einem Grund bemerkenswert: Für einmal nahmen die Zentralbanken eine Zuschauerrolle ein", sagt Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung. "Es ist, als ob die Marktteilnehmer beim Antizipieren und Gestalten der Zukunft die Initiative ergriffen und sich aus ihrer Abhängigkeit von jeder Äußerung und Handlung der Zentralbanken befreit hätten."
  • China und Russland haben begonnen, Daten für die standortbezogene Bankgeschäftsstatistik der BIZ zu melden. Diesen neuen Daten zufolge liegen in China ansässige Banken in der Rangliste der größten Gläubiger im internationalen Bankgeschäft auf Platz 10, in Russland ansässige Banken auf Platz 23.
  • Unterschiede bei den Vorschriften für verschiedene Kategorien von Derivaten erklären teilweise, warum sich das zentrale Clearing an den Märkten für außerbörsliche Zinsderivate stärker durchgesetzt hat als an anderen außerbörslichen Märkten.
  • An den Finanzmärkten ist eine vermehrte Verwendung des chinesischen Renminbi festzustellen. Der Anteil des Handels mit Devisenderivaten im Vergleich zum Kassageschäft und der Anteil von Finanzinstituten als Gegenpartei im Vergleich zu Gegenparteien aus dem Nichtfinanzbereich nähern sich allmählich den jeweiligen Anteilen bei etablierten liquiden Währungen an. Dagegen ist der Markt für in Renminbi denominierte Zinsderivate nach wie vor klein.

Fünf Feature-Artikel untersuchen spezifische Entwicklungen an Devisen- und Finanzmärkten:

  • Michael Moore (Warwick Business School), Andreas Schrimpf (BIZ) und Vladyslav Sushko (BIZ) zufolge ist der rückläufige Umsatz an den Devisenmärkten das Ergebnis einer geringeren Aktivität von "fast money"-Händlern und Hedge-Fonds sowie eines Rückgangs des Prime-Brokerage-Geschäfts. Dagegen wird der Handel mit Devisenderivaten durch langfristige Anleger begünstigt, die vermehrt Fremdwährungsrisiken absichern. Die Risikobereitschaft der Dealer-Banken an den Devisenmärkten ist gesunken, und der Wettbewerb durch Marktmacher des Nichtbankensektors hat zugenommen.
  • Torsten Ehlers und Egemen Eren (BIZ) argumentieren, dass geldpolitische Kursänderungen zu einer annähernden Verdopplung des Umsatzes von außerbörslichen Zinsderivaten in US-Dollar beigetragen haben, während sich der Umsatz von Euro-Kontrakten fast halbiert hat. Zinsderivate werden nach wie vor zum größten Teil an Börsen gehandelt, doch diese wachsen weniger stark als der außerbörsliche Markt. Regulierungsreformen haben zu einer vermehrten Nutzung des zentralen Clearings und des elektronischen Handels geführt und auf diese Weise dafür gesorgt, dass die außerbörslichen Märkte den Börsen ähnlicher werden.
  • Christian Upper und Marcos Valli (BIZ) untersuchen, weshalb die Derivatmärkte für Währungen und Zinsen aufstrebender Volkswirtschaften kleiner sind als die entsprechenden Märkte für Währungen und Zinssätze fortgeschrittener Volkswirtschaften. Sie argumentieren, dass weniger entwickelte Finanzmärkte, eine schwächere Integration in die Weltwirtschaft und ein niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen das Wachstum dieser Märkte bremsen könnten.
  • Robert McCauley und Chang Shu (BIZ) zeigen, dass die gestiegene Bedeutung von Non-deliverable Forwards (NDF) - Verträgen, die Absicherung und Spekulation in einer Währung ohne Lieferung der Währung zum Vertragsende erlauben - erhebliche, die jeweilige Entwicklung des Devisenmarktes widerspiegelnde Unterschiede zwischen den einzelnen Währungen verdeckt. Während die Internationalisierung des chinesischen Renminbi dazu geführt hat, dass NDF durch Terminkontrakte mit Lieferung abgelöst worden sind, haben NDF in brasilianischen Real und koreanischen Won an Beliebtheit gewonnen.
  • Jonathan Kearns und Nikhil Patel (BIZ) verwenden handelsgewichtete Wechselkurse und von der BIZ konstruierte schuldengewichtete Wechselkurse, um die gegenläufigen Kräfte zu beurteilen, die für die Auswirkungen von Währungsschwankungen auf die Wirtschaft bestimmend sind. In aufstrebenden Volkswirtschaften, in denen die Kreditnehmer einen hohen Anteil an Fremdwährungsschulden aufweisen, zeigt sich, dass eine Währungsabwertung die Wirtschaftsentwicklung eher bremsen als beleben könnte, was vermutlich auf Bilanzeffekte zurückzuführen ist.

* Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung der Autoren wieder, die sich nicht unbedingt mit dem Standpunkt der BIZ deckt.