BIZ-Quartalsbericht, März 2016

6. März 2016

Laut BIZ-Quartalsbericht vom März 2016 lösen Turbulenzen die angespannte Ruhe an den Märkten ab.

On-the-Record-Kommentare von Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, und Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater & Leiter Wirtschaftsforschung, anlässlich der Medienorientierung am 4. März 2016.

Internationales Bankgeschäft und internationale Finanzmärkte

Turbulenzen lösen angespannte Ruhe ab
Die Zinsanhebung der Federal Reserve im Dezember vermochte die angespannte Ruhe, die gegen Ende 2015 an den Finanzmärkten geherrscht hatte, kaum zu stören. Der Jahresauftakt war hingegen von Turbulenzen geprägt: An den Aktienmärkten wurde eine der stärksten Verkaufswellen seit der Finanzkrise 2008 verzeichnet. In einer ersten Phase standen das langsamere Wachstum in China und ganz allgemein die Schwächen in den aufstrebenden Volkswirtschaften im Fokus der Märkte. Zunehmende Besorgnis über das Weltwirtschaftswachstum führte zu einem Einbruch des Ölpreises und einer drastischen Abwertung der Währungen aufstrebender Volkswirtschaften und veranlasste Anleger zu einer Flucht in sichere Anlagen an den wichtigsten Anleihemärkten. Die Turbulenzen griffen in der Folge auf die fortgeschrittenen ... More...
Wichtigste Erkenntnisse zum weltweiten Finanzgeschäft
Gemäß den BIZ-Indikatoren für die globale Liquidität verlangsamten sich die internationalen Finanzierungen im zweiten Halbjahr 2015. Die aggregierte internationale Bankkreditvergabe nahm im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr ab. Der Bestand internationaler Schuldtitel nahm während der 12 Monate bis Dezember 2015 zu, wenn auch langsamer als in den Vorjahren. Die auf US-Dollar lautende Kreditvergabe an Nichtbanken außerhalb der USA lag im September 2015 bei $ 9,8 Bio. und war damit im Vergleich zum Juni im Wesentlichen unverändert. Die US-Dollar-Mittelaufnahme von Nichtbanken in den aufstrebenden Volkswirtschaften stand bei $ 3,3 Bio., ebenfalls ohne Veränderung gegenüber Juni; damit hat sie erstmals seit ... More...

Features

Wie setzen Zentralbanken negative Leitzinsen um?
Seit Mitte 2014 haben vier Zentralbanken in Europa ihren Leitzins in den negativen Bereich gesenkt. Diese unkonventionelle Maßnahme wurde weitgehend innerhalb der bestehenden operativen Rahmenbedingungen umgesetzt. Die konkreten Modalitäten der Umsetzung haben jedoch bedeutende Auswirkungen auf die Kosten für das Halten von Zentralbankreserven. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass leicht negative Leitzinsen zum großen Teil in derselben Weise auf Geldmarkt- und andere Zinssätze durchwirken wie positive Leitzinsen. Eine wichtige Ausnahme besteht bei den Zinsen für Privatkundeneinlagen, die bisher von den negativen Leitzinsen nicht betroffen waren, und bei einigen Hypothekensätzen, die sich absurderweise erhöht haben. Für die Zukunft besteht große Unsicherheit darüber, wie sich Privatpersonen und Unternehmen verhalten werden, wenn die Leitzinsen noch stärker in den negativen Bereich sinken bzw. über längere Zeit negativ bleiben. More in English...
Vermögensungleichheit und Geldpolitik
In diesem Artikel wird untersucht, wie sich das Vermögen der privaten Haushalte in fortgeschrittenen Ländern in jüngster Zeit verändert hat. Dazu werden die Bewertungseffekte auf die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten der privaten Haushalte herangezogen. Anhand von Umfragedaten privater Haushalte werden die möglichen Bestimmungsfaktoren der Vermögensungleichheit und die potenziellen Folgen der Geldpolitik durch ihre Wirkung auf Zinssätze und Vermögenspreise analysiert. Die Simulation deutet darauf hin, dass die Vermögensungleichheit seit der Großen Finanzkrise zugenommen hat. Während sich niedrige Zinssätze und steigende Anleihepreise kaum auf die Vermögensungleichheit ausgewirkt haben, waren die steigenden Aktienkurse ein Schlüsselfaktor für die Ungleichheit. Die Erholung bei den Wohnimmobilienpreisen hat diesen Effekt nur teilweise kompensieren können. Wenn die Effekte auf Ersparnisse, Schuldenaufnahme und Humankapital, die sich aus der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts ableiten lassen, nicht berücksichtigt werden, zeigt die Simulation, dass die Geldpolitik insofern zur Ungleichheit beigetragen haben dürfte, als sie die Aktienkurse beflügelt hat. More in English...
Widerstandsfähigkeit des Auslandsgeschäfts von Banken
In diesem Artikel wird die Widerstandsfähigkeit der Bankbilanzen nach der Finanzkrise 2008/09 untersucht, und zwar aus der Optik einer einzigartigen globalen Datenreihe, die sowohl Banknationalität als auch Aufnahmeland berücksichtigt. Zunächst werden die Veränderungen der Struktur des weltweiten Geschäfts der BIZ-Berichtsbanken seit der Finanzkrise beleuchtet (nach Nationalität der Banken). Anschließend wird der Finanzierungsmix der Auslandsgeschäftsstellen der Banken (d.h. Niederlassungen und Tochtergesellschaften) kurz vor Ausbruch der Finanzkrise betrachtet und wie er den nachfolgenden Rückgang bei der Kreditvergabe erklären hilft. Es zeigt sich, dass die durch inländische Finanzierungen gestützten Inlandskredite die Widerstandsfähigkeit der Bankbilanzen gestärkt haben, selbst nach Berücksichtigung der systematischen Unterschiede zwischen Aufnahmeländern und Bankensystemen. Dagegen schrumpften ausländische Geschäftsstellen stärker, wenn sie sich vor der Krise auf Finanzierungen wie Interbankkredite, Fremdwährungsmittel und grenzüberschreitende Finanzierungen verlassen hatten. More in English...
Das Ende des Telefonhandels - der elektronische Handel an den Festzinsmärkten und seine Folgen
In diesem Artikel werden die Ursachen und Folgen des Aufstiegs des elektronischen und automatisierten Handels an den Festzinsmärkten erörtert - ein Prozess, der als „Elektronifizierung" bezeichnet werden kann. Die Autoren nehmen eine Bestandsaufnahme des elektronischen Handels vor und untersuchen, wie er die Strukturen im Festzinsmarkt, seine Widerstandsfähigkeit und seine allgemeine Funktionsweise verändert hat. Es zeigt sich, dass sich der elektronische und automatisierte Handel in mehrfacher Hinsicht auf die Marktliquidität und die Preiseffizienz auswirkt. Durch die Anpassung der Marktteilnehmer an die neuen Strukturen ergeben sich diverse neue Herausforderungen, die die Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger verdienen. More in English...