BIZ-Quartalsbericht, März 2017

6. März 2017

Laut BIZ-Quartalsbericht vom März 2017 sind die Märkte nicht länger durch schwankende Risikobereitschaft geprägt.

On-the-Record-Kommentare von Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, und Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater & Leiter Wirtschaftsforschung, anlässlich der Medienorientierung am 3. März 2017.

Internationales Bankgeschäft und internationale Finanzmärkte

Märkte nicht länger durch schwankende Risikobereitschaft geprägt
Viele Vermögenspreise tendierten seit der Veröffentlichung des letzten BIZ-Quartals­berichts Anfang Dezember seitwärts, während die Anleger auf Hinweise zu verschie­denen Quellen der Unsicherheit warteten. Die Marktteilnehmer rechneten mit Änderungen der US-Politik: einer größeren Bedeutung der Fiskalpolitik, einer weiter­hin schrittweisen Straffung der Geldpolitik, Deregulierungsplänen und einer protektionistischeren handelspolitischen Haltung. Sowohl die Ausprägung und der präzise Zeitpunkt der politischen Änderungen als auch deren Auswirkungen blieben allerdings unklar. Im Februar legten die Aktienmärkte in den USA kräftig zu, während die Renditen von Staatsanleihen verschiedener Euro-Raum-Länder unter Druck gerieten, als die Anleger ihr Augenmerk vermehrt auf ... More...
Wichtigste Erkenntnisse zum weltweiten Finanzgeschäft
Im zweiten und dritten Quartal 2016 nahmen die internationalen Bankforderungen wieder zu, nachdem sie Ende 2015 und Anfang 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen waren. Der Forderungsanstieg an Nichtbanken um 3,8% im Vorjahresvergleich trug am stärksten zur Erholung bei, während die Interbankforderungen im dritten Quartal 2016 um 3,2% schrumpften. Der Bestand an internationalen Schuldtiteln wuchs im vierten Quartal 2016 kontinuierlich mit einer Jahreswachstumsrate von 3,8%, wozu auch die Zunahme des Nettoabsatzes von... More...

Features

Konsumgetriebener Wirtschaftsaufschwung
Das BIP-Wachstum wird zunehmend durch den Verbrauch bestimmt. Ein konsumgetriebener Wirtschaftsaufschwung ist jedoch in der Regel weit schwächer, als wenn er durch andere Komponenten der Gesamtnachfrage gestützt wird. Ein häufiger Grund ist dabei der Aufbau von Ungleichgewichten. In diesem Feature wird gezeigt, dass Faktoren wie das Kreditwachstum und steigende Wohnimmobilienpreise den Konsum zwar auf kurze Sicht beleben können, dass aber ein konsumgetriebener Aufschwung und gleichzeitig steigende Schuldendienstquoten das Wachstum mittel- bis langfristig beträchtlich bremsen. Maßnahmen, die den Aufbau von Ungleichgewichten begrenzen und Investitionen fördern, sind daher für ein nachhaltiges Wachstum von entscheidender Bedeutung. More in English...
Die neue Risikovorsorge für erwartete Kreditausfälle
Nach der Großen Finanzkrise haben die normgebenden Gremien im Bereich der Rechnungslegung Banken und andere Unternehmen verpflichtet, auf Basis der erwarteten Kreditausfälle eine Risikovorsorge zu bilden. Zwar unterscheiden sich die von den zwei wichtigsten normgebenden Gremien eingeführten Regeln, doch müssen die Banken in beiden Fällen in dem Moment für erwartete Ausfälle vorsorgen, in dem ein Kredit vergeben wird, und nicht erst bei Eintreten eines Ereignisses, das einen unmittelbar bevorstehenden Ausfall ankündigt. Auf kurze Sicht kann sich die Risikovorsorge erhöhen, doch sind die ... More...
Das Streben nach höherer Geschwindigkeit im Zahlungsverkehr
In diesem Feature werden die Technologien von Zahlungsverkehrssystemen näher betrachtet. Im Zentrum steht der Vergleich zwischen Echtzeit-Bruttoabwicklungssystemen (RTGS) im Großbetragszahlungsgeschäft und schnelleren Systemen für den Massenzahlungsverkehr (Schnellzahlungen). RTGS kamen in den 1980er Jahren auf und verbreiteten sich innerhalb von 30 Jahren weltweit. Schnellzahlungen gibt es seit Anfang der 2000er Jahre. Sie bieten sofortige Zahlungsabwicklung rund um die Uhr, 7 Tage die Woche. Bislang haben sich Schnellzahlungen ähnlich wie damals RTGS verbreitet und dürften kurz vor dem Durchbruch stehen. Doch während Schnellzahlungen allmählich die Welt erobern, entsteht bereits die nächste Generation von Zahlungsverkehrssystemen, beispielsweise Systeme, die sich Distributed-Ledger-Technologien zunutze machen. More in English...
Swaps werden als Referenzwert am Anleihemarkt immer wichtiger
Spätestens ab den 1990er Jahren führte das Basisrisiko dazu, dass an den Anleihemärkten - wie zuvor an den Geldmärkten - anstatt der Zinssätze auf Staatsanleihen zunehmend private Zinssätze als Benchmark verwendet wurden. Die Entwicklungen seit der Großen Finanzkrise 2007-09, u.a. die Reformen am Derivatmarkt und die Skandale um den LIBOR, hatten das Potenzial, diesen Trend zu stoppen. Daten der BIZ zum Umsatz an den Derivatmärkten zeigen jedoch, dass Zinsswaps gegenüber Staatsanleihe-Futures weiter an Boden gewinnen, wenn es um die Absicherung und das Eingehen von Positionen am langen Ende der Renditenstrukturkurve geht. Da Positionen in Futures leicht aufgelöst werden können, dürften Staatsanleihen als Referenzwerte allerdings nicht vollständig von Swaps verdrängt werden. More in English...