Nutzen von Indikatoren des Finanzzyklus für die Vorhersage von Schwankungen des Sozialprodukts

6. Juni 2011

Tim Ng

Der Finanzzyklus bezieht sich auf die im Laufe der Zeit wechselnden Einschätzungen von und Haltung gegenüber finanziellen Risiken. Er ist oft von starken Veränderungen des Kreditwachstums, der Vermögenspreise, der Zugangsmöglichkeiten zu externer Finanzierung sowie von anderen finanzwirtschaftlichen Entwicklungen geprägt. Eine einzige Messgrösse, die diese Indikatoren zusammenfasst, würde die Analyse des Finanzzyklus vereinfachen. Das wäre positiv sowohl für die Einschätzung des Systemrisikos als auch für die Stabilitätspolitik. Es liegt jedoch nicht auf der Hand, welche der vielen potenziell relevanten Indikatoren am besten ausgewählt und kombiniert werden, und auch nicht, wie der Nutzen der entstandenen Masszahl beurteilt werden kann. Ein Kriterium ist der Prognosewert. In diesem Feature wird der Prognosewert von drei unterschiedlich zusammengesetzten Messgrössen für die Vorhersage von Schwankungen des Sozialprodukts über einen Zeithorizont von bis zu zwei Jahren untersucht. Es zeigt sich, dass eine dieser Messgrössen einen erheblichen Prognosewert für kurze Zeithorizonte hat. Dieses Ergebnis scheint jedoch vorwiegend darauf zurückzuführen zu sein, dass die Messgrösse Indikatoren einschliesst, die stark mit tatsächlichen Anspannungen im Finanzsystem korrelieren, und nicht auf grosse Veränderungen in der allgemeineren Risikowahrnehmung und Risikobereitschaft.

JEL-Klassifizierung: E32, E51