II. Globale Finanzmärkte: zwischen angespannter Ruhe und Turbulenzen

26. Juni 2016

Im vergangenen Jahr wechselten sich an den Finanzmärkten Phasen von Ruhe und Turbulenzen ab, während die Preise an den wichtigsten Vermögensmärkten auf geldpolitische Entwicklungen weiterhin sensibel reagierten. Zunehmende Anzeichen einer Wachstumsabschwächung in den wichtigsten aufstrebenden Volkswirtschaften, insbesondere in China, wurden von den Anlegern ebenfalls sorgfältig beobachtet. Die Anleiherenditen in fortgeschrittenen Volkswirtschaften sanken weiter und erreichten vielerorts historische Tiefststände, während der Anteil ausstehender Staatsanleihen mit negativen Renditen einen neuen Rekordstand verzeichnete. Die niedrigen Renditen waren Ausdruck niedriger Laufzeitprämien sowie einer Abwärtsbewegung der erwarteten künftigen Kurzfristzinsen. In ihrem Renditestreben wandten sich die Anleger risikoreicheren Marktsegmenten zu und stützten damit die Vermögenspreise trotz ihrer bereits hohen Bewertungen. Skepsis bezüglich dieser Bewertungen sowie Bedenken hinsichtlich der weltweiten Wachstumsaussichten und der Wirksamkeit der Geldpolitik bei der Unterstützung des Wachstums führten wiederholt zu Verkaufswellen und Volatilitätsschüben. Die Märkte zeigten sich anfällig für eine scharfe Trendwende bei den hohen Bewertungen. Einige ungewöhnlich starke Ausschläge der Anleihekurse deuten auf Veränderungen der Marktliquidität hin, allerdings dürfte eine niedrigere Verschuldung bei Anspannungen für robustere Marktliquidität sorgen. An den Finanzmärkten waren auch anhaltende Marktanomalien zu beobachten, die sich weiter ausbreiteten, darunter die Ausweitung der Cross-Currency-Basis und negative Spreads von US-Dollar-Zinsswaps. Diese Anomalien waren teilweise Ausdruck marktspezifischer Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage, die bisweilen durch die Wirkung von Zentralbankmaßnahmen auf die Nachfrage nach Absicherungen verstärkt wurden. Sie waren aber auch auf ein verändertes Verhalten großer Handelsinstitute zurückzuführen, welche die Anomalien nun weniger schnell durch Arbitragegeschäfte eliminieren.