VI. Alte und neue Risiken im Finanzsektor

28. Juni 2015

Die Risiken im Finanzsystem haben sich vor dem Hintergrund anhaltend niedriger Zinssätze in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften gewandelt. Trotz beträchtlicher Anstrengungen zur Stärkung der Eigenkapital- und Liquiditätsausstattungen haben die Banken in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften immer noch mit der Skepsis der Märkte zu kämpfen. Infolgedessen haben sie einen Teil ihres traditionellen Finanzierungsvorteils in Bezug auf potenzielle Kunden eingebüßt. Hinzu kommen Probleme, die sich aus dem allmählichen Wegbrechen ihrer Zinserträge und der Zunahme ihrer Zinsänderungsrisiken ergeben und die ihre künftige Widerstands­fähigkeit schwächen könnten. Dagegen haben die Banken in aufstrebenden Volks­wirtschaften bisher von einer optimistischen Marktstimmung und dynamischen Bedingungen profitiert, die möglicherweise wachsende finanzielle Ungleichgewichte kaschieren. Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds wiederum waren mit einer starken Zunahme der Verbindlichkeiten und einer schwachen Entwicklung der Vermögensrenditen konfrontiert. Die Inkongruenzen zwischen der Aktiv- und der Passivseite ihrer Bilanz schwächen diese institutionellen Anleger und könnten so zu einem Problem für die Realwirtschaft werden. Dadurch, dass institutionelle Anleger Risiken an ihre Kunden weitergeben und die Banken sich aus dem traditionellen Kreditgeschäft zurückziehen, spielen Kapitalanlagegesellschaften eine immer wichtigere Rolle. Die Aufsichtsinstanzen haben ihrerseits begonnen, die Auswir­kungen der wachsenden Kapitalanlagebranche für die Finanzstabilität genau im Auge zu behalten.