V. Das internationale Währungs- und Finanzsystem

28. Juni 2015

Über die angemessene Ausgestaltung des internationalen Währungs- und Finanz­systems für die Weltwirtschaft wird schon sehr lange debattiert. Ein wesentliches Manko des bestehenden Systems ist, dass es tendenziell das Risiko finanzieller Ungleichgewichte erhöht und so zu Auf- und Abschwüngen des Kreditvolumens und der Vermögenspreise führt, mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen. Diese Ungleichgewichte treten oft zeitgleich und länderübergreifend auf und werden durch globale Spillover-Effekte verschiedener Art verstärkt. Die weltweite Verwendung des US-Dollars und des Euro führt dazu, dass die geldpolitischen Bedingungen der USA und des Euro-Raums weit über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus zu spüren sind. Zahlreiche Länder importieren überdies geldpolitische Bedingungen, wenn sie ihre Leitzinssätze im Hinblick auf möglichst geringe Zinsdifferenzen und Wechselkursbewegungen gegenüber den wichtigsten Wäh­rungen festlegen. Die globale Integration der Finanzmärkte verstärkt diese Dynamik tendenziell noch, da sie dazu führt, dass gemeinsame Faktoren die Kapitalströme lenken und eine einheitliche Risikobewertung die Anleihe- und Aktienpreise beeinflusst. Solche Spillover-Effekte könnten vermindert werden, wenn die Länder die Finanzzyklen steuern und dadurch ihr eigenes Haus in Ordnung halten würden. Außerdem müssen die Zentralbanken Spillover-Effekte vermehrt internalisieren, nicht zuletzt auch um zu vermeiden, dass die Folgen ihrer Maßnahmen wieder auf die eigene Volkswirtschaft zurückschlagen. Um über das aufgeklärte Eigeninteresse hinauszugehen, müssten sich die Entscheidungsträger auf internationaler Ebene auf Regeln und Grenzen für das Agieren auf nationaler Ebene verständigen.