IV. Verschuldung und Finanzzyklus aus nationaler und globaler Sicht

29. Juni 2014

Finanzzyklen bilden die Dynamik der Wechselwirkungen ab, die finanzielle Auf- und Abschwünge auslösen - Wechselwirkungen zwischen den Bewertungen, dem geschätzten und dem tatsächlich eingegangenen Risiko sowie den Finanzierungsbedingungen. Finanzzyklen dauern in der Regel länger als traditionelle Konjunkturzyklen. Weltweit befinden sich die Länder derzeit in sehr unterschiedlichen Phasen des Finanzzyklus. In den von der Finanzkrise 2007-09 am stärksten betroffenen Volkswirtschaften haben private Haushalte und Unternehmen zwar damit begonnen, ihre Schuldenlast im Verhältnis zum Einkommen abzubauen, doch bleibt dieses Verhältnis vielfach hoch. Verschiedene weniger stark von der Krise betroffene Länder wiederum befinden sich in der Spätphase eines kräftigen Finanzbooms. Dadurch sind sie für Bilanzrezessionen und - in einigen Fällen - für schwerwiegende finanzielle Anspannungen anfällig geworden. Gleichzeitig hat sich durch die zunehmende Bedeutung neuer Finanzierungsquellen die Art der Risiken verändert. In dieser zweiten Phase globaler Liquidität haben sich Unternehmen in den aufstrebenden Volkswirtschaften vielfach auch an den internationalen Märkten finanziert. Damit setzen sie sich aber dem Risiko aus, dass Gelder bei den ersten Anzeichen von Problemen abgezogen werden könnten. Ganz allgemein könnten sich einige Länder unversehens in einer Schuldenfalle wiederfinden: Der Weg, die Wirtschaft durch niedrige Zinssätze anzukurbeln, begünstigt nämlich die Aufnahme weiterer Schulden und verschärft so letztlich das Problem, anstatt es zu lösen.