Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen in den Industrieländern: Risiken und Herausforderungen

28. Juni 2010

Die Staatsverschuldung hat in vielen Industrieländern ein nicht mehr tragbares Niveau erreicht. Die Haushaltsdefizite im Verhältnis zum BIP sind gegenwärtig hoch, was teilweise konjunkturelle Gründe hat, aber auch auf die Stützungsmaßnahmen während der Krise zurückzuführen ist. Nicht zuletzt ist bei den mit der Bevölkerungsalterung verbundenen Ausgaben für die nächsten Jahrzehnte mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen. Die jüngsten Entwicklungen in Griechenland und anderen Ländern Südeuropas haben vor Augen geführt, wie rasch Bedenken der Anleger in Bezug auf die Lage der öffentlichen Finanzen eines Landes auf andere Länder übergreifen können. Zudem kann eine hohe Staatsverschuldung das langfristige Wirtschaftswachstum bremsen und letztlich die Währungsstabilität gefährden.

Diese Risiken machen deutlich, wie dringlich glaubwürdige Maßnahmen für die Verringerung der gegenwärtigen Haushaltsdefizite in mehreren Industrieländern sind. Für den Abbau der langfristigen Haushaltsungleichgewichte sind Strukturreformen nötig, die für ein höheres Wachstum des Produktionspotenzials sorgen und den künftigen Anstieg der altersbedingten Ausgaben begrenzen. Entsprechende Maßnahmen könnten kurzfristig zu Wachstumseinbußen führen, doch die Alternative - ein plötzlicher Vertrauensverlust an den Märkten - wäre weit schlimmer. Ein Programm zur Haushaltskonsolidierung, das die Defizite über mehrere Jahre um etliche Prozent des BIP senken würde, hätte beträchtliche Vorteile: niedrige und stabile langfristige Zinssätze, ein weniger anfälliges Finanzsystem und schließlich positivere Aussichten für die Investitionstätigkeit und das langfristige Wirtschaftswachstum.