Sind die Risiken der Niedrigzinspolitik höher als ihr Nutzen?

28. Juni 2010

Die Zentralbanken haben die Leitzinsen während der Krise deutlich gesenkt, um das Finanzsystem und die Realwirtschaft zu stabilisieren. Diese notwendigen Zinssenkungen, die noch durch unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen zur Behebung der Funktionsstörungen an den Finanzmärkten verstärkt wurden, halfen, einen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern. Doch die Geldpolitik kann ihren expansiven Kurs auf Dauer nicht aufrechterhalten. Niedrige Zinsen können Investitionsentscheidungen verzerren. Auch die Risiken für die Finanzstabilität, die eine länger anhaltende Phase äußerst niedriger Zinsen hervorbringen kann, sind sehr genau abzuwägen. Eine ausgeprägte Niedrigzinsphase kann Kreditnehmer veranlassen, die Laufzeit ihrer Verschuldung zu verkürzen. Sie kann aber auch ein verstärktes Eingehen hochriskanter Positionen begünstigen und notwendige Bilanzanpassungen verzögern. Während die öffentlichen Entscheidungsträger diese Risiken mit anderen Instrumenten beeinflussen können und auch sollten, sind sie womöglich trotzdem gezwungen, die Geldpolitik früher zu straffen, als die wirtschaftlichen Aussichten allein nahelegen würden.