BIZ 79. Jahresbericht

29. Juni 2009

Der Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich über das 79. Geschäftsjahr (1. April 2008 - 31. März 2009) wurde der ordentlichen Generalversammlung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich am 29. Juni 2009 in Basel vorgelegt.

BIZ 79. Jahresbericht in Kapiteln

I. Von der Rettung zur Reform
Der Jahresbericht 2008/09 der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich befasst sich mit den dramatischen Ereignissen, die sich in den letzten beiden Jahren im globalen Finanzsystem und in der Weltwirtschaft abspielten. Dieses so essenzielle und inzwischen so komplexe Finanzsystem hat gravierenden Schaden genommen, Vertrauen ging verloren. Der Kollaps hatte sowohl makro als auch mikroökonomische Ursachen. Zu den erstgenannten gehören außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und eine lange Phase niedriger Realzinsen; letztere umfassen Schwachstellen im Anreizgefüge, in der Risikomessung und in der Regulierungspraxis. Einige Ursachen sind im menschlichen Verhalten zu finden, bei anderen handelt es sich um Politikversagen. Es gab Alarmzeichen, die zu Warnungen führten; einige davon waren begründet, andere nicht, und die meisten waren vergebens. Der Grund dafür ist klar: Um die Probleme zu verstehen, wären vielfach historische Daten zu Ereignissen notwendig gewesen, die von Natur aus selten eintreten. Und da doch das bestehende System augenscheinlich so gut funktionierte, hätte eine grundlegende Neugestaltung der geldpolitischen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen in vielen Ländern nahezu unüberwindbare politische und intellektuelle Hürden mit sich gebracht. More...
II. Die globale Finanzkrise
Der Verlauf der Finanzkrise lässt sich in fünf Phasen unterteilen:
1. der Auftakt bis zur Übernahme von Bear Stearns im März 2008,
2. die allmähliche Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen von Mitte März bis zum Konkurs von Lehman Brothers am 15. September 2008,
3. der darauffolgende weltweite Vertrauensverlust, die massive Flucht in Anlagen hoher Qualität und der Beinahezusammenbruch des Finanzsystems von Mitte September bis Ende Oktober,
4. die markante Abschwächung der Weltwirtschaft ab Ende Oktober sowie
5. die Verschärfung des Abschwungs und die ersten Anzeichen einer Stabilisierung ab Mitte März 2009. More...
III. Finanzsektor unter extremem Druck
Die Krisenanalyse in diesem Kapitel erlaubt eine Reihe von Schlussfolgerungen und unterstreicht einige systemweite Risiken. In einem modernen Finanzsystem sollten das marktbasierte und das bankbasierte Finanzwesen als komplementär und nicht als rivalisierend oder substitutiv betrachtet werden. Die Krise hat gezeigt, dass die vermeintlichen Diversifizierungsvorteile, die die Schaffung von Finanzkonglomeraten - den Supermärkten des Finanzsystems - verhieß, eine Illusion waren. Als die Krise ausbrach, waren alle Geschäftsfelder betroffen. Ebenso wurden die Vorzüge der Aufsplittung von Risiken in kleinste Komponenten mithilfe von Finanzinnovationen allzu sehr in den Vordergrund gestellt. Doch wenn jetzt eine Verkleinerung des aufgeblähten Finanzsektors angestrebt wird, darf dies nicht als Aufruf zur finanziellen Autarkie missverstanden werden. Einen Rückzug der Finanzintermediation hinter nationale Grenzen gilt es zu verhindern. Wenn solche Tendenzen nicht bekämpft werden, kann sich daraus Protektionismus entwickeln. More...
IV. Auswirkungen der Krise auf die Industrieländer
In den Industrieländern entwickelte sich im vierten Quartal 2008 eine äußerst dynamische Wechselwirkung zwischen dem Finanzsektor und der Realwirtschaft. Ein drastischer Vertrauensverlust verstärkte den Abbau der Ungleichgewichte, die sich seit Anfang dieses Jahrzehnts in den Vermögenspositionen der privaten Haushalte, der Unternehmen und des Finanzsektors der Industrieländer aufgebaut hatten. Dies führte zu einem massiven Rückgang sowohl der Wirtschaftstätigkeit als auch der Inflation. Allerdings hat der Abbau des Fremdfinanzierungsgrads gerade erst begonnen, und die Verschuldung sowohl des Finanzsektors als auch der anderen Sektoren der Volkswirtschaften, die einen Kreditboom erlebten, liegt weiterhin deutlich über dem noch vor wenigen Jahren verzeichneten Niveau. Dies legt den Schluss nahe, dass sich der Abschwung und die anschließende wirtschaftliche Erholung länger hinziehen dürften. More...
V. Auswirkungen der Krise auf die aufstrebenden Volkswirtschaften
Die aufstrebenden Volkswirtschaften erwiesen sich anfänglich gegenüber der Finanzkrise als sehr widerstandsfähig. Grundsätzlich machte die hohe wirtschaftliche und finanzielle Integration, von der lange Zeit starke Wachstumsimpulse ausgingen, diese Volkswirtschaften anfällig gegenüber einer plötzlichen Umkehr der Kapitalströme und einem Rückgang der Nachfrage nach ihren Exporten. Doch Länder mit einer anhaltend umsichtigen Wirtschaftspolitik und niedriger öffentlicher Verschuldung - beispielsweise in Asien und in Teilen Lateinamerikas - können immer noch flexibel auf die Krise reagieren. Andere Länder hingegen sind aufgrund hoher Leistungsbilanzdefizite bzw. des Trends zur Fremdwährungskreditvergabe im Bankensektor und der daraus resultierenden Schwierigkeiten auf internationalen Beistand angewiesen. More...
VI. Wirtschaftspolitische Reaktionen auf die Krise
Die Wirtschaftspolitik hat mit einer breiten Palette von Maßnahmen reagiert, um das Vertrauen in die großen Banken und die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems wiederherzustellen. In den meisten Industrieländern wurden die Zinsen bis nahe oder ganz an die Nullzinsgrenze gesenkt. Eine Reihe von Zentralbanken verlängerten ihre Bilanzen enorm, um die akuten Anspannungen an den Finanzmärkten zu verringern. Doch trotz umfangreicher staatlicher Zusagen sind die Regierungen nach wie vor nicht gewillt oder nicht in der Lage, das Problem notleidender Aktiva in den Bilanzen der Banken wirklich in Angriff zu nehmen. In vielen Ländern gingen die traditionellen und die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen mit einer ähnlich forschen Lockerung der Fiskalpolitik einher. Selbstverständlich sind die Notwendigkeit zur Steigerung der Staatsausgaben und der diesbezügliche Spielraum in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Eine Beurteilung der verschiedenen Ausgabenprogramme kann in jedem Fall erst dann erfolgen, wenn diese ihre volle Wirkung entfaltet haben. More...
VII. Der Weg zu einem krisensicheren Finanzsystem: Risiken und Chancen
Die Finanzaufsicht, die Fiskalpolitik und die Zentralbanken sind mit enormen Risiken konfrontiert. Um eine Verschärfung und Verschleppung der Krise zu vermeiden, müssen sie schnell handeln, gleichzeitig aber möglichst keine Maßnahmen ergreifen, die den Anpassungsprozess behindern oder zu zusätzlichen Verzerrungen im Finanzierungskreislauf führen. Bei der Rettung und Sanierung des Finanzsektors darf nicht nachgelassen werden, bis sie wirklich abgeschlossen sind. Die Fiskalpolitik muss langfristig tragfähig sein. Und in der Geldpolitik muss schon jetzt die Rückführung der unkonventionellen Maßnahmen geplant werden, die zu gegebener Zeit zügig umzusetzen ist. More...
Organisation, Führungsstruktur und Tätigkeit
Dieser Teil des Jahresberichts gibt einen Überblick über die Organisation der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, beschreibt ihre Tätigkeit im Geschäftsjahr 2008/09 und enthält ihren Jahresabschluss. More...