Von der Rettung zur Reform

29. Juni 2009

Der Jahresbericht 2008/09 der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich befasst sich mit den dramatischen Ereignissen, die sich in den letzten beiden Jahren im globalen Finanzsystem und in der Weltwirtschaft abspielten. Dieses so essenzielle und inzwischen so komplexe Finanzsystem hat gravierenden Schaden genommen, Vertrauen ging verloren. Der Kollaps hatte sowohl makro als auch mikroökonomische Ursachen. Zu den erstgenannten gehören außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und eine lange Phase niedriger Realzinsen; letztere umfassen Schwachstellen im Anreizgefüge, in der Risikomessung und in der Regulierungspraxis. Einige Ursachen sind im menschlichen Verhalten zu finden, bei anderen handelt es sich um Politikversagen. Es gab Alarmzeichen, die zu Warnungen führten; einige davon waren begründet, andere nicht, und die meisten waren vergebens. Der Grund dafür ist klar: Um die Probleme zu verstehen, wären vielfach historische Daten zu Ereignissen notwendig gewesen, die von Natur aus selten eintreten. Und da doch das bestehende System augenscheinlich so gut funktionierte, hätte eine grundlegende Neugestaltung der geldpolitischen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen in vielen Ländern nahezu unüberwindbare politische und intellektuelle Hürden mit sich gebracht.