Schlussbemerkungen: Die schwierige Aufgabe der Schadensbegrenzung

30. Juni 2008

Nach einem lang anhaltenden kreditinduzierten Aufschwung ist es eigentlich nicht überraschend, wenn es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, einer Verlangsamung des realen Wachstums und vorübergehend steigender Teuerung kommt. Die wesentlichen Fragen, die sich zum jetzigen Zeitpunkt stellen, betreffen das Ausmaß dieser einzelnen Trends, so wie sie gegenwärtig zu beobachten sind, und ihre möglichen Wechselbeziehungen. Eine solche Wechselwirkung ist zwar schwierig vorherzusagen, doch scheint sie tatsächlich auf einen tieferen und längeren weltweiten Abschwung hinzuweisen, als offenbar allgemein erwartet wird. Gleichzeitig könnte sich der Inflationsdruck insbesondere in aufstrebenden Volkswirtschaften ebenfalls als unerwartet stark und persistent erweisen. Ein wichtiger Faktor für die Inflationsaussichten dürfte überall die Lohnentwicklung sein, aber in einigen Ländern könnte auch der Einfluss einer abwertenden Währung auf die Preise im Inland eine unwillkommene Rolle spielen.

Angesichts der eindeutigen und aktuellen Inflationsgefahr und der in den meisten Ländern historisch gesehen sehr niedrigen realen Leitzinssätze scheint auf globaler Ebene eher eine Straffung der Geldpolitik angezeigt. Allerdings schließen die unterschiedlichen - tatsächlichen und zu erwartenden - Gegebenheiten in den einzelnen Ländern derzeit allgemeingültige Empfehlungen aus. Sollte es darüber hinaus in der Weltwirtschaft zu einem abrupten Abschwung kommen und der Inflationsdruck abnehmen, schiene eine geld¬politische Straffung natürlich auch weniger angebracht.

Im jetzigen und im künftigen Umfeld sollte jedoch nicht vergessen werden, dass eine Senkung der Leitzinssätze nach einem kreditinduzierten Ausgabenboom erheblich an Wirkung eingebüßt haben könnte. Mit Blick auf die potenziellen negativen Nebenwirkungen einer solchen Politik, nicht zuletzt das Risiko, weitere finanzielle Ungleichgewichte und Fehlallokationen von Ressourcen in der Realwirtschaft zu fördern, könnten ergänzende Maßnahmen in Betracht gezogen werden, um eine übermäßige geldpolitische Lockerung zu vermeiden. Eine expansive Fiskalpolitik hätte womöglich einige Vorteile, aber in vielen Ländern lässt die gegenwärtig hohe Verschuldung kaum Spielraum offen. Hohe Priorität müssen daher Maßnahmen haben, um Verluste und Schuldenüberhangprobleme zu erkennen und sie rasch, geordnet und mit entsprechenden Auflagen anzugehen.

Aus den Herausforderungen, mit denen die öffentlichen Entscheidungsträger heute konfrontiert sind, lässt sich vielleicht folgender wichtigster Schluss ziehen: Es wäre besser gewesen, den Aufbau der Übersteigerungen bei der Kreditvergabe von vornherein zu verhindern. In Zukunft könnte dies mittels eines neuen Gesamtkonzepts für die Finanzstabilität geschehen. Dabei würden sowohl geldpolitische als auch systemorientierte Aufsichtsinstrumente eingesetzt, um den Kreditzyklus zu bremsen. Da Zyklen zwar gemildert, aber nicht zum Verschwinden gebracht werden können, werden auch eine Reihe von Vorkehrungen für eine bessere Bewältigung von Finanzmarktturbulenzen oder krisen vorgeschlagen.