BIZ 77. Jahresbericht

24. Juni 2007

Der Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich über das 77. Geschäftsjahr (1. April 2006 - 31. März 2007) wurde der ordentlichen Generalversammlung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich am 24. Juni 2007 in Basel vorgelegt.

Übersicht:

BIZ 77. Jahresbericht in Kapiteln

I. Einleitung: Ein Puzzle aus vielen Teilen
Die positive weltwirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre setzte sich im Berichtszeitraum fort. Das globale Wachstum war kräftig, und es gab sogar willkommene Anzeichen für eine ausgewogenere Nachfrage. Das Wachstum der US-Wirtschaft verlangsamte sich etwas, vor allem aufgrund einer Abschwächung am Wohnimmobilienmarkt, während sich die Inlandsnachfrage in Europa, Japan und einer Reihe aufstrebender Volkswirtschaften belebte. Obwohl sich die Produktion in vielen Ländern dem Potenzial zu nähern schien und die Rohstoffpreise erneut anstiegen, blieb der Inflationsdruck allgemein gemäßigt. Vor diesem Hintergrund wurde die Geldpolitik vielerorts moderat gestrafft, auch wenn die monetären und finanziellen Rahmenbedingungen insgesamt äußerst akkommodierend blieben. Dies war zum Teil auf die relativ niedrigen realen Leitzinsen zurückzuführen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die langfristigen Zinssätze, zum Teil aber auch auf eine größere Bereitschaft, Schuldnern mit hohem Risiko zu weniger strikten Bedingungen als zuvor Kredit zu gewähren. Während der Kreditzyklus am US-Hypothekenmarkt für nicht erstklassige Schuldner seinen Scheitelpunkt erreichte, setzte sich die Expansion in den meisten anderen Regionen fort. In der Folge stiegen die Preise von Vermögenswerten weltweit erneut an oder hielten sich auf ungewöhnlich hohem Niveau. Zudem blieben Finanzierungen für das US-Leistungsbilanzdefizit sowie Abflüsse privaten Kapitals aus den USA zu Bedingungen bestehen, in denen sich offenbar die Erwartung einer wiederum sehr begrenzten Abwertung des Dollars widerspiegelte. More...
II. Die Weltwirtschaft
Die Weltwirtschaft wuchs 2006 erneut überraschend kräftig. Der Konsum in den USA erwies sich angesichts der deutlichen Abschwächung am Markt für Wohneigentum als unerwartet widerstandsfähig, der Aufschwung in anderen fortgeschrittenen Industrieländern war breit abgestützt, und die aufstrebenden Volkswirtschaften verzeichneten weiterhin ein rasches Wachstum. Die Inflation blieb gedämpft, wobei die Teuerungsrate im zweiten Halbjahr rückläufig war. Vor dem Hintergrund einer hohen bzw. steigenden Kapazitätsauslastung in den wichtigsten Volkswirtschaften hielt der zugrundeliegende Inflationsdruck jedoch an. More...
III. Aufstrebende Volkswirtschaften
In den aufstrebenden Volkswirtschaften war das Wachstum 2006 und bis ins erste Quartal 2007 hinein weiterhin lebhaft und wurde von einem moderaten Preisanstieg und Leistungsbilanzüberschüssen begleitet. In einigen Ländern gab der Inflationsdruck jedoch Anlass zu Besorgnis - zum einen wegen der hohen Nachfrage und zum anderen wegen der unsicheren Preisentwicklung bei den Rohstoffen. Trotz einer moderaten Straffung der Geldpolitik verzeichneten eine Reihe aufstrebender Volkswirtschaften erneut ein kräftiges Kreditwachstum. Gleichzeitig wurde die Widerstandsfähigkeit der aufstrebenden Volkswirtschaften durch eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und ein verbessertes Schuldenmanagement gestärkt. More...
IV. Geldpolitik in den fortgeschrittenen Industrieländern
Die Geldpolitik in den fortgeschrittenen Industrieländern wurde im Berichtszeitraum etwas gestrafft, obwohl die geldpolitische Ausrichtung allgemein wachstumsfördernd blieb. Die Federal Reserve erhöhte ihren Leitzins zu Beginn des Berichtszeitraums erneut und ließ ihn dann trotz anhaltender Bedenken wegen verstärkter Inflationsrisiken unverändert. Die EZB straffte aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs, der schwindenden Kapazitätsreserven sowie der rasanten Zunahme der Geldmenge und des Kreditvolumens ihre Geldpolitik im Berichtszeitraum deutlich. Die Bank of Japan wandte ihren neuen geldpolitischen Handlungsrahmen, den Ansatz der „zwei Perspektiven", an und beendete ihre Nullzinspolitik. Die beiden geringfügigen Zinsschritte während des Berichtszeitraums wurden damit begründet, dass die anhaltende Erholung ausreichend an Schwung gewonnen habe, dass sich die Daten zur Kerninflation verbessert hätten und dass ein Festhalten an einem Zinsniveau nahe null mittelfristig das Risiko nicht tragfähiger Investitionstrends berge. In kleineren fortgeschrittenen Industrieländern mit Inflationsziel wurde die Geldpolitik generell gestrafft als Reaktion auf jeweils unterschiedliche externe und binnenwirtschaftliche Einflussfaktoren, u.a. die unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft, die steigende Kapazitätsauslastung, die hohen Rohstoffpreise, das kräftige Geldmengen- und Kreditwachstum sowie die hohen Kapitalzuflüsse. More...
V. Devisenmärkte
Die Haupttrends an den Devisenmärkten 2006 und in den ersten vier Monaten 2007 waren die allmähliche Abwertung des US-Dollars, die stärkere Abwertung des Yen und die Aufwertung des Euro auf handelsgewichteter Basis. Insgesamt waren die Devisenmärkte von hohen Umsätzen und historisch niedrigen Volatilitäten geprägt, wenngleich im Mai/Juni 2006 und Ende Februar/März 2007 zwei Episoden höherer Volatilität zu verzeichnen waren. More...
VI. Finanzmärkte
Die Preise risikoreicher Vermögenswerte setzten ihren Anstieg fast das ganze Jahr 2006 und Anfang 2007 fort. In diesem Zeitraum kam es zu zwei Verkaufswellen, die jedoch keinen längeren Abschwung einläuteten, sondern sich als kurzfristige Korrekturen erwiesen. Einige Aktienmärkte erreichten historische Höchststände, während eine Reihe von Kreditspreads auf neue Tiefstmarken fielen. Diese Entwicklungen erfolgten trotz schwächerer Wirtschaftsaussichten in den USA und Anzeichen dafür, dass das Wachstum der Weltwirtschaft einen Scheitelpunkt erreicht haben könnte. In diesem Umfeld stabilisierten sich die Staatsanleiherenditen in den fortgeschrittenen Industrieländern gegen Mitte 2006 und begannen danach leicht nachzugeben. Besonders in den USA sanken die langfristigen Anleiherenditen in der zweiten Jahreshälfte. Darin spiegelten sich die Bedenken der Anleger hinsichtlich der Wachstumsaussichten in den USA und ihre Erwartung einer Lockerung der Geldpolitik wider. In Japan stützten die nach wie vor günstigeren wirtschaftlichen Aussichten die Anleiherenditen etwas. Gleichzeitig hellten sich die Wachstumsperspektiven für den Euro-Raum zunehmend auf und führten schließlich zu steigenden Renditen bei Euro-Anleihen. More...
VII. Der Finanzsektor in den fortgeschrittenen Industrieländern
Die insgesamt solide Geschäftsentwicklung der Finanzinstitute in den fortgeschrittenen Industrieländern setzte sich während des Berichtszeitraums fort. Die Banken profitierten wiederum von einem allgemein günstigen Kreditumfeld und einem lebhaften Retail-Geschäft. Die Investmentbanken verzeichneten aufgrund des wachsenden Kapitalmarktgeschäfts und eines Private-Equity-Booms erneut Rekordgewinne. Angesichts der rückläufigen Renditen von Hedge-Fonds fielen deren Mittelzuflüsse im Vergleich zu früheren Jahren bescheiden aus. Hedge-Fonds werden jedoch zunehmend ins internationale Finanzsystem integriert, da von einem immer breiteren Anlegerspektrum diverse Ansprüche an sie gestellt werden und der Druck zu vermehrter Offenlegung oder Einhaltung detaillierterer Vorschriften wächst. Die Bilanzen der Lebensversicherer verbesserten sich, während sich die Gebäude- und Schadenversicherer ohne größere Probleme von dem für sie kostspieligen Jahr 2005 weiter erholten. More...
VIII. Schlussbemerkungen: Vorbeugen statt heilen?
Der Konsens der Prognosen geht davon aus, dass die hohe Dynamik der Weltwirtschaft andauern wird. Es ist jedoch auf mindestens vier Unsicherheitsfaktoren hinzuweisen, auch wenn sich deren Eintrittswahrscheinlichkeit und potenzielle Wechselwirkungen nicht wirklich berechnen lassen. Erstens kann ein Anstieg des globalen Inflationsdrucks nicht ausgeschlossen werden. Zweitens ist der gegenwärtige Abschwung in den USA möglicherweise stärker und seine Auswirkungen auf die Weltwirtschaft größer als erwartet. Drittens besteht angesichts der weltweiten Leistungsbilanzungleichgewichte sowie der umfangreichen und volatilen Kapitalströme eine Anfälligkeit gegenüber abrupten Wechselkursveränderungen mit potenziellen Folgen für Finanzmärkte und Preise von Vermögenswerten. Viertens schließlich könnte an den Märkten für Vermögenswerte, an denen in der Regel bereits viel Optimismus in die Preise geflossen ist, jeglicher negative Schock unerwartete Konsequenzen haben. More...
Organisation, Führungsstruktur und Tätigkeit
Im Mittelpunkt der Tätigkeit der BIZ stehen die Förderung der Zusammenarbeit unter Zentralbanken und anderen Instanzen aus dem Finanzbereich sowie die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen für Zentralbankkunden. Folgende Ziele und Aktivitäten standen im vergangenen Jahr im Vordergrund: More...