BIZ 82. Jahresbericht 2011/12

24. Juni 2012

Die Weltwirtschaft hat die Nachwirkungen der Finanzkrise noch nicht überwunden. Ein vielschichtiger Teufelskreis ist am Werk und behindert den Übergang der fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften zu einem ausgeglichenen, nachhaltigen Wachstum. Kapitel II lässt zunächst die Wirtschaftsentwicklung des vergangenen Jahres Revue passieren. Die darauffolgenden Kapitel befassen sich mit den grundlegenden Aspekten dieses Teufelskreises: den nicht abgeschlossenen strukturellen Anpassungen (Kapitel III), den Risiken der gegenwärtigen geldpolitischen und fiskalpolitischen Ausrichtung (Kapitel IV bzw. V) sowie den aktuellen Herausforderungen der Finanzmarktreform (Kapitel VI). In Kapitel I werden die Inhalte und Schlussfolgerungen der Kapitel III bis VI aufgegriffen und in einem gesonderten Abschnitt im Lichte der Probleme in der europäischen Währungsunion betrachtet.

Übersicht über die Kapitel zur Wirtschaftsentwicklung

BIZ 82. Jahresbericht in Kapiteln

I. Den Teufelskreis durchbrechen
Die Weltwirtschaft hat die Nachwirkungen der Finanzkrise noch nicht überwunden. Ein vielschichtiger Teufelskreis ist am Werk und behindert den Übergang der fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften zu einem ausgeglichenen, nachhaltigen Wachstum. Kapitel II lässt zunächst die Wirtschaftsentwicklung des vergangenen Jahres Revue passieren. Die darauffolgenden Kapitel befassen sich mit den grundlegenden Aspekten dieses Teufelskreises: den nicht abgeschlossenen strukturellen Anpassungen (Kapitel III), den Risiken der gegenwärtigen geldpolitischen und fiskalpolitischen Ausrichtung (Kapitel IV bzw. V) sowie den aktuellen Herausforderungen der Finanzmarktreform (Kapitel VI). In Kapitel I werden die Inhalte und Schlussfolgerungen der Kapitel III bis VI aufgegriffen und in einem gesonderten Abschnitt im Lichte der Probleme in der europäischen Währungsunion betrachtet. More...
II. Das Jahr im Rückblick
In den ersten Monaten 2011 schien es, als käme in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ein selbsttragender Aufschwung in Gang. Doch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. 2012 wiederholt sich dieses Muster offenbar, denn erste Anzeichen einer Konjunkturbelebung lassen allmählich wieder nach. In beiden Jahren wurde das Wachstum durch dieselben Faktoren behindert. Die Krise brachte ans Licht, dass der Staatshaushalt vielerorts auf Sand gebaut ist. Regierungen sind angesichts desolater öffentlicher Finanzen gezwungen, einschneidende Haushaltskürzungen vorzunehmen - dies zu einem Zeitpunkt, in dem auch andere Wirtschaftssektoren Schulden abbauen. Im Euro-Raum weitete sich die angespannte Haushaltslage zu einer Staatsschuldenkrise aus. Das Vertrauen der Anleger und Verbraucher innerhalb und außerhalb der Währungsunion nahm dadurch schweren Schaden. Viele Banken schränkten infolge der Verluste bei Staatsanleihen ihre Kreditvergabe ein, was die Erholung weiter schwächte. Inzwischen ist auch in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften ein Rückgang des zuvor kräftigen Wirtschaftswachstums feststellbar. More...
III. Zurück zu ausgewogenem Wachstum
Sowohl die fortgeschrittenen als auch die aufstrebenden Volkswirtschaften sehen sich strukturellen Herausforderungen gegenüber. In einigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften hemmen im Boom entstandene sektorale Fehlallokationen sowie hohe Schuldenstände der privaten Haushalte und Unternehmen nach wie vor das Wachstum. Diese Länder müssen ihre Bilanzen unverzüglich sanieren und gleichzeitig die Umverteilung von Ressourcen zwischen den Wirtschaftssektoren erleichtern. Zudem laufen mehrere andere Länder - darunter auch viele aufstrebende Volkswirtschaften - Gefahr, ihre eigene Version des jüngsten Boom-Bust-Zyklus zu erleben. Um dem entgegenzuwirken, ist ein Kurswechsel erforderlich - weg von der Kreditausweitung und den Exporten hin zu internen Wachstumsquellen. Dies ist besonders wichtig, da stark exportorientierte Wachstumsmodelle mittlerweile an Zugkraft eingebüßt haben dürften. More...
IV. Die Grenzen der Geldpolitik
In den wichtigsten fortgeschrittenen Volkswirtschaften herrschen weiterhin außergewöhnlich lockere monetäre Bedingungen. Über eine unerwünschte Volatilität der Wechselkurse und Kapitalströme überträgt sich diese expansive Geldpolitik auch auf die aufstrebenden Volkswirtschaften. Ihre Bemühungen, den Spillover-Effekten gegenzusteuern, haben dazu geführt, dass die Geldpolitik heute weltweit äußerst akkommodierend ist. Kaum jemand bezweifelt, dass das entschlossene Handeln der Zentralbanken während der Krise einen Zusammenbruch des Finanzsystems maßgeblich verhindert und im weiteren Verlauf die angeschlagenen Volkswirtschaften gestützt hat. Allerdings hatten die Zentralbanken auch gar keine andere Wahl, als die geldpolitische Lockerung beizubehalten, nachdem es die Regierungen versäumt hatten, strukturelle Wachstumshemmnisse rasch und konsequent aus dem Weg zu räumen. Um jedoch zu vermeiden, dass eventuelle Verzerrungen später die Finanz- und Preisstabilität ins Wanken bringen, müssen Notwendigkeit und Risiken einer fortgesetzten akkommodierenden Geldpolitik sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. More...
V. Zurück zu tragfähigen öffentlichen Finanzen
Länder, deren Haushalte unter Druck geraten sind, haben in letzter Zeit in beängstigendem Tempo ihren Status als risikofreie Schuldner - und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Vorteile - eingebüßt. Eine breite Verfügbarkeit sicherer Vermögenswerte stützt die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte und die Durchführung der Geldpolitik. Ein Staat, dessen Anleihen als ausfallsicher gelten, hat viel Spielraum, antizyklische Maßnahmen zu ergreifen, um die gesamtwirtschaftliche Stabilität zu stärken. Damit sich das Angebot an risikofreien Vermögenswerten wieder erhöht, müssen die Regierungen die hohen Defizite und den prognostizierten Anstieg ihrer langfristigen Verbindlichkeiten überzeugend angehen. In einigen Ländern sind dazu sofortige und weitreichende Reformen des öffentlichen Sektors und die Beseitigung struktureller Wachstumshemmnisse notwendig. Weltweit ist der negative Rückkopplungseffekt zwischen Finanzsektor und Staat zu unterbinden, und es müssen in guten Zeiten finanzielle Reserven aufgebaut werden. More...
VI. Entwicklung des Bankensektors nach der Krise
Bei der Gewährleistung der Finanzstabilität stehen Banken und Aufsichtsinstanzen noch immer enormen Herausforderungen gegenüber. Die Banken werden das Vertrauen der Märkte nur zurückgewinnen, wenn sie ihre Eigenkapitalausstattung und ihre Liquiditätsposition weiter stärken. Um diesen Prozess zu beschleunigen, sollten die Behörden die Rekapitalisierung der Finanzinstitute sicherstellen und dafür sorgen, dass die Institute Verluste aus problematischen Anlagen ausweisen. Weltweit muss die Aufsicht die konsequente und rasche Umsetzung der vereinbarten Basel-III-Standards abschließen. Robuste Regulierungsvorschriften müssen dabei auch jene Finanzintermediäre erfassen, die derzeit keiner Aufsicht unterstehen. In den rasch wachsenden Volkswirtschaften sollten die Regulierungsgremien darüber hinaus eins besonders beachten: Die lebhafte Entwicklung an den inländischen Märkten könnte zu potenziell destabilisierender Risikoübernahme verleiten. Langfristig sollten diese Maßnahmen zu einem robusten Bankgeschäftsmodell führen, das durch solide und transparente Bilanzen, nachhaltige internationale Geschäfte und stabile, von staatlichen Stützungsmaßnahmen unabhängige Gewinne besticht. More...