Die Weltwirtschaft

30. Juni 2008

Seit dem zweiten Halbjahr 2007 hat sich das Wachstum der Weltwirtschaft vor dem Hintergrund der Finanzmarktturbulenzen und eines sich vertiefenden Abschwungs der US-Wirtschaft verlangsamt. Zugleich nahm die globale Inflation zu, wobei starke Steigerungen bei den Preisen für Energie und wichtige Nahrungsmittel die Entwicklung anführten. Derzeit herrscht immer noch die Meinung vor, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2008 nur moderat weiter verlangsamen wird. Bis ins erste Quartal hinein entsprach die Entwicklung grosso modo dieser Meinung, da das Wachstum im Euro-Raum, in Japan und in den wichtigsten aufstrebenden Volkswirtschaften robust blieb.

Die anhaltenden Entwicklungen im Zentrum des weltweiten Finanzsystems haben allerdings auch große Unsicherheit bezüglich der Wirtschaftsaussichten ausgelöst. Die Banken in mehreren fortgeschrittenen Industrieländern haben die Kreditvergabestandards verschärft; eine allgemeine Kreditverknappung kann nicht ausgeschlossen werden, und die Folgen für die Nachfrage könnten gravierender ausfallen, als die Consensus-Prognosen anzeigen. Erschwerend kommen noch der jüngste rasante Anstieg des Ölpreises und höhere Inflationserwartungen in einer Reihe wichtiger Volkswirtschaften hinzu.

Inwiefern übermäßig verschuldete private Haushalte in den USA und einigen anderen fortgeschrittenen Industrieländern angesichts dieser negativen Schocks den Gürtel enger schnallen müssen, ist schwer vorauszusagen. Eine deutlich höhere Ersparnisbildung der privaten Haushalte in den USA könnte zwar eine weitere wesentliche Verringerung des Leistungsbilanzdefizits des Landes bewirken, doch würde damit die Nachfrage in der übrigen Welt geschwächt. Gleichzeitig sind die Inflationsrisiken so groß wie seit vielen Jahren nicht mehr.