Grundprinzipien für Zahlungsverkehrssysteme, die für die Stabilität des Finanzsystems bedeutsam sind

21. Januar 2001

Vorwort

Derzeit sind mehrere internationale Vorstösse im Gang, um durch Verstärkung der Finanzinfrastruktur die Stabilität des Finanzsystems zu wahren. Der Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Abrechnungs-systeme (CPSS) der Zentralbanken der Länder der Zehnergruppe (G10) leistet dazu einen Beitrag mit seiner Arbeit an Grundprinzipien für Zahlungsverkehrssysteme, die für die Stabilität des Finanz-systems bedeutsam sind.

Im Mai 1998 setzte der CPSS eine Task Force für Grundsätze und Praktiken in Zahlungsverkehrs-systemen ein, die prüfen sollte, welche Grundsätze für die Ausgestaltung und den Betrieb von Zahlungsverkehrssystemen in allen Ländern gelten sollen. Die Task Force hat einen internationalen Konsens über solche Grundsätze erzielt. Sie setzte sich aus Vertretern nicht nur der G10-Zentral-banken und der Europäischen Zentralbank zusammen, sondern auch weiterer 11 Zentralbanken von Ländern in verschiedenen Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung aus aller Welt sowie aus Vertre-tern des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Für die Erarbeitung allgemeingültiger Grundsätze wurden Gruppen von Zentralbanken in Afrika, Nord- und Südamerika, Asien, dem Pazifikraum und Europa konsultiert.

Im Dezember 1999 veröffentlichte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) einen Entwurf der Grundprinzipien zur Stellungnahme durch die Finanzwelt allgemein. Aus den Antworten ging klar eine grosse und breite internationale Unterstützung für die Grundprinzipien hervor. Darüber hinaus wurde sowohl aus den schriftlichen als auch aus den mündlichen Kommentaren deutlich, dass viele Leser ausführlichere Hinweise zur Auslegung und Umsetzung der Grundprinzipien wünschten. Daher ergänzte die Task Force ihren Bericht mit einem zweiten Teil, in dem diese Orientierungshilfen gege-ben werden. Erneut wurde öffentlich um Stellungnahmen zum Entwurf des zweiten Teils gebeten, und aus den Antworten ging auch diesmal eine umfassende Unterstützung für das Verfahren und seine Ergebnisse hervor.

Die Grundprinzipien sind bewusst sehr allgemein formuliert, damit sie nach Möglichkeit in allen Ländern von Nutzen sind und langfristig gültig bleiben. Sie sind nicht ein Rezept für die Ausgestaltung oder den Betrieb eines bestimmten Systems, sondern sollen vielmehr die wesentlichen Kriterien auf-zeigen, denen alle für die Stabilität des Finanzsystems bedeutsamen Zahlungsverkehrssysteme genügen sollten. Der zweite Teil des Berichts geht daher vertieft auf die Auslegung der Grundprin-zipien ein; er gibt detailliertere Beispiele für Fragen, die sich bei der Einhaltung der Grundprinzipien stellen, sowie für Wege, wie diese Fragen unter bestimmten Rahmenbedingungen angegangen wurden. Er will und kann kein einheitliches Modell für jeden praktischen Anwendungsfall der Grund-prinzipien bieten. Bereits wird deutlich, dass sowohl die Grundprinzipien als auch der erläuternde zweite Teil des Berichts auf breiter Ebene für die Analyse von Zahlungsverkehrssystemen und als Richtschnur für Überwachung und Reformen eingesetzt werden. Dies war das Ziel der ganzen Arbeit; ich hoffe, der Bericht wird sich noch viele Jahre lang als nützlich erweisen.

Der Ausschuss dankt den Mitgliedern der Task Force und ihrem Vorsitzenden, John Trundle von der Bank of England, für ihren grossen Einsatz bei diesem Bericht sowie dem CPSS-Sekretariat in der BIZ für seine kompetente Unterstützung. Ferner dankt er seinen früheren Vorsitzenden, William McDonough, der diese Arbeit einleitete, und Wendelin Hartmann, der sie unermüdlich förderte und unterstützte.

Tommaso Padoa-Schioppa, Vorsitzender  
Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Abrechnungssysteme